Sonntag, 24. April 2011

Leicht reisen

Anfang des Monats kam Anna-Lena von ihrer Indien und Südamerika-Reise zurück. Voll gepackt mit tollen Geschichten, haben wir uns lange über ihre Erlebnisse unterhalten. Neben all diesen Eindrücken und Bildern, die ihr in ihrem Blog findet, hat mich eine Sache besonders interessiert:

"Was hättest du lieber zuhause gelassen?
Was war gut im Rucksack zu haben?
Worauf kann man beim Reisen verzichten?"


Leicht reisen bedeutet Freiheit - klingt platt, aber es stimmt. Mit jedem Kilo weniger wird die Reise schöner. (Bildquelle: JD | Photography)

Ich habe schon so viel Schwachsinn mit mir herumgeschleppt und nach jeder Reise denke ich mir, wie viel weniger gereicht hätte. Nach Indonesien bin ich sogar mit einem riesen Koffer geflogen, weil ich keine Ahnung hatte, was es vor Ort geben würde und was nicht. Der Koffer steht mittlerweile im Keller und niemand weiß etwas damit anzufangen. Für meine Reise durch Malaysia und Thailand hatte ich dann noch einen kleinen 6 Kilogramm schweren Rucksack bei mir. Und selbst das war zu viel.

Unsere Gedanken zum "Leichten Reisen":


1. Medizin mitnehmen Ok, aber keinen Medizinschrank.
Es reicht sich mit den besten Mitteln gegen Durchfall, Übelkeit, Magenschmerzen und Kopfschmerzen auszustatten. Im Land selbst haben sie auch Apotheken und oft bessere Mittel gegen die typischen Krankheiten - um die wir West-Nasen ohnehin nicht rum kommen.

2. Mach dich mal hübsch - Ein Hemd oder Kleid schadet nicht.
Zwar sind wir auf Reisen sehr entspannt unterwegs, aber ab und zu mal etwas schickes zum Ausgehen ist sehr angenehm. Eine private Einladung oder etwas exklusivere Veranstaltung kann wahrnehmen ohne sich "underdressed" zu fühlen.

3. Vergiss die Trekking-Sandalen.
Diese Problem haben wohl vor allem Frauen. Balerinas, Turnschuhe, Wanderschuhe, Flip-Flops - was braucht man wirklich? Flip-Flops und Wanderschuhe (halbhoch) machen Sinn. Die Trekkingsandalen waren laut Anna-Lena völlig sinnlos. Überhaupt reichen die zwei genannten Paare.

4. Essbesteck ist unnötig.

Ich glaube ein klassisches Schweizer Taschenmesser ist eine feine Sache. Ich hatte noch nie eines dabei. An Taschenmesser sollte man sein Herz nicht hängen, denn schnell fliegen sie in den Müll, zum Beispiel weil man nur mit Handgepäck fliegt und bei den Sicherheitskontrollen erwischt wird. Mir passiert mit einem kleinen Messer in Bangkok. Auch an bestimmten Sehenswürdigkeiten wird einem ein Messer schnell abgenommen, das passierte einer Freundin bei den Kontrollen als wir in den Vatikan wollten.


5. Nimm kleine Schlösser mit.
Kleine zwei Schlösser sichern die Reisverschlüsse grob ab, auch für die Spinde in den Zimmern können die Schlösser gebraucht werden. Keine Netz-Sicherung für den Rucksack oder solchen Schnick-Schnack.

6. Kein Schlafsack mitnehmen.
In den Hostels ist was zum Zudecken und in warmen Ländern ist der Schlafsack einfach nur unnötig. Seideninlay ist leicht, klein und man kann es überall mitnehmen. Man braucht es nur falls ein Hostel mal nicht so sauber ist. In Tel Aviv haben mich mal die Flöhe gebissen, die Nacht war nicht so berauschend.

7. Taschenlampe ade - Beiß dir nicht die Zähne aus.
Es ist dunkel. Du kramst in deinem Rucksack nach dem letzten Bier und beißt derweilen auf der Mag-Lite rum. Kein schöner Anblick, außerdem extrem nervig. Mit einer Stirnlampe ergeht es dir besser. Sie sind auch praktisch für Nachtwanderungen.


8. Trekking-Hosen zum Zippen mitnehmen.
Drei Hosen sind genug: Zipper-Trekkinghose, eine Jeans zum Aussgehen und vielleicht noch eine kurze Hose (ich habe immer eine Badeshorts dabei).

9. Kleine Probe-Fläschchen besser als große Packung Duschgel.
Duschzeug gibt es meist in Hülle und Fülle. Gegen eine Zigarette oder ein Bier kann man sich Duschzeug von anderen Reisenden abfüllen. Rei-in-der-Tube um zwischendrin Waschen zu können, einfach unter der Dusche. In Zentralamerika kann man die Sachen abgeben zum Waschen (in Indonesien, Malaysia und Thailand auch).

10. Trag lieber das Risiko als eine Ersatzbrille.
Nur eine Brille mitnehmen auch wenn das ein bisschen Risiko behaftet ist. Unterwegs kann man zur Not zum Optiker gehen. Die Flüssigkeit für Kontaktlinsen ist schwer, deshalb lieber vor Ort besorgen, kein Problem in Südamerika.

11. Eine kleine Regenjacke reicht.
Eine kleine Regenjacken zum Zusammendrücken reicht, der Windbreaker mit Fließeinsatz bleibt besser zuhause. Wenn es in die Berge geht, dann lieber vor Ort die passende Klamotte kaufen. Alpaka-Jacke gab es auf einer von ihren Wanderung für 10 Euro. Gleiches gilt für Indonesien, als wir auf den Bromo gegangen sind, konnte man sich die Klamotten sogar leihen.

12. Funktionsklamotten sind super.
Es gibt mittlerweile diese schweineteuren T-Shirts, die alle möglichen Features haben, schnell trocknen und nicht stinken. Solche Teile kosten 30 Euro oder mehr, aber sie lohnen sich!

13. Stromteile sind klobig.
Bei vielen Ländern braucht man einen Reiseadapter, dieser darf ruhig mehr kosten, wenn er klein ist und nichts wiegt. Die Anschaffung von Sets mit unzähligen Teilen bringt nichts, weil der richtige Stecker trotz einer Million verschiedener Anschlüsse nicht da ist.


14. Nur ein Handtuch, die gibt's sonst im Hostel.
Nur ein Handtuch mitnehmen - TravelTowel reicht. Es gibt meist welche im Hostel, wenn du dir ein Einzelzimmer nimmst, dann hast du die ohnehin inklusive. (Ich persönlich habe neben dem Travel-Towel auch immer ein Strandhandtuch dabei - vielleicht nur Luxus)

15. Technisches Spielzeug weg lassen.
Was brauchst du wirklich für deinen Trip? Meiner Meinung nach braucht man nicht mal mehr eine Kamera, es wurde ja schließlich alles schon einmal geknipst. Für die Menschen, die ich treffe nehme ich ihn noch mit. Bei technischen Spielzeug bin ich eigen, zumindest wenn ich bloggen möchte. In Israel hatte ich kürzlich, ein Netbook, Digicam, Kodak HD-Cam und mein HTC (Handy) dabei. Inklusive Ladekabel summiert sich das Gewicht.

16. Für kleine Trips zwischendurch - der Zweitrucksack.
Ein kleiner Rucksack für Wanderungen, Tagesausflüge ist sinnvoll und verhindert, dass man immer wie der größte Touri-Depp rumläuft.

17. Speichermedien mitnehmen, wenn man nicht in der Cloud arbeitet.
Ein paar große USB-Sticks für die Bilder haben Anna-Lena geholfen. Ich Speicher die Bilder meist auf dem Rechner, den ich dabei habe oder lade sie bei Picasa hoch. Allerdings ist die Übertragungsgeschwindigkeit in den Hostels ziemlich lahm. Das macht dann keinen Spaß.

Leicht Reisen lohnt sich, denn das Gewicht entscheidet oft darüber, ob wir eine Situation als schön oder stressig empfinden. Als letzter Tipp zum leichten Reisen kann ich nur empfehlen eine Check-Liste vor dem Abflug zu machen und sich die einzelnen Objekte mehrfach anzuschauen. Leicht lassen sich so Dinge streichen oder in einer Beschaffenheit organisieren, wo sie möglichst Platz und Gewicht sparend sind. Ich verachte die Materialschlacht, die so manch einer veranstaltet, aber teilweise lohnt es sich die teure Ausrüstungsgegenstände zu kaufen.

Kommentare:

cpoint hat gesagt…

leicht reisen! klasse bericht, der mir auf jeden fall bei meiner bevorstehenden israel-reise nützlich sein wird..
wieviele stunden sicherheitscheck benötigt das technische spielzeug bei ein-/ausreise? auf mein android würde ich nicht verzichten wollen... eine digitale spiegelreflex und ein filmcam mit sd's sollen ebenfalls ins gepäck. eine usb-platte für film & bild, die am hotel-pc die speicherkarten sichert ist unverzichtbar.... verzichte jedoch aufs notebook...

hmm, so drei, vier stunden?! :-)

viele grüße,
chris

Al Pusch hat gesagt…

3-4 Std auf dem Ben Gurion sind keine Seltenheit. :) Das hat aber weniger mit dem technischen Spielzeug zu tun, als mit den wirklich extremen Kontrollen. Kennst du Leute in Tel Aviv? Wenn ja, habe einen Zettel dabei, auf dem Name, Adresse und Telefonnummer stehen. Du wirst sicher gefragt, wen du im Land kennst und was der Grund deiner Reise ist. Dann zückst du deinen Zettel und die Sache ist erledigt. Sonst dauert es länger... Auch wenn du in die Palästinensergebiete möchtest oder dort auf deiner Reise warst - NIEMALs dem Sicherheitspersonal sagen. Sonst kann sich dein Abflug extrem verzögern, im schlimmsten Fall kommst du nicht einmal bei der Einreise rein... Aber ich wünsche dir viel Spaß in Israel - ein großartiges Land mit tollen Menschen! Gruß, Al