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Dienstag, 16. Dezember 2008

Die Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen

An alle Hobby-Mathematiker, ihr Matrizen-Verfechter, Stochastik-Lover und graphischer Taschenrechner-Vergötterer, mein nächster bescheidener Blog-Eintrag soll euch gewidmet sein. Man stelle sich vor, Sarah sitzt hinter Albert auf dem Roller, der mit 30 km/h die Straße hinunter klappert. Den Kopf hat sie im 40 Grad Winkel nach links geneigt und das Visier des Helmes leicht geöffnet, um den spannenden Ausführungen Alberts besser folgen zu können.
Entspannte Nachtatmosphäre, doch der Schein trügt. Wie aus dem Nichts schießt eine nicht gerade kleine (Flügelspannweite: 20cm, gefühlte 50cm) Fledermaus aus dem Himmel herab und knallt Sarah direkt in das ungeschützte, geöffnete Auge. Krawummmm! Die Frage, die mich seither kontinuierlich beschäftigt ist, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass einem die eben erläuterte Situation tatsächlich zustößt? Vielleicht sollte ich diese Woche noch Lotto spielen?!

Sonntag, 14. Dezember 2008

Überleben in der Dritten Welt

Ein kleiner Unfall mit dem Roller, ein Mückenstich von Kollege Zebra oder auch nur eine entzündete Schürfwunde, die Wege ins Krankenhaus sind zahlreich und deshalb heute: „Onkel Alberts Gesundheitstipps“. Zunächst müsst ihr wissen, dass mit jeder Impfung, die ihr in Deutschland versäumt, eure Chancen steigen euch eine schlimme Krankheit einzufangen (Post zu Impfungen).
Aber kein Grund zur Panik, es mag sein, dass ihr das hier nie braucht. In den letzten sechs Monaten ist niemand unserer deutschen Freunde im Krankenhaus gelandet, außer bei Besuchen oder um eine Entschuldigung für die Uni zu bekommen oder eine Spritze in den A… . Ich bin kein Arzt und diese Tipps sind aus Erfahrung gewonnen:

Timing: „Besser zu früh als zu spät.“ Klingt abgedroschen, aber hier dürft ihr ruhig wegen jedem Zipperlein zum Arzt. Alles was bei uns kein Ding ist, kann sich hier schnell entzünden und fies werden. Ein kleiner Schnitt, eine Brandblase vom Auspuff - das Verheilen dauert manchmal Wochen. Also, wenn ihr euch nicht gut fühlt oder etwas beginnt eklig auszusehen, ab zum Onkel Doktor und wenn ihr weiterlest habt ihr gute Chancen, den zu überleben.

Diagnose: Bei Dengue habt ihr allgemeine Grippesymptome und eine Diagnose kann frühestens fünf Tage nach Beginn des Fiebers gemacht werden. Die Sache ist nur, es macht keiner Anstalten herauszufinden, was ihr habt. Bohrt nach und besteht auf Blut-, Stuhl- und Urin-Untersuchungen, wenn euch danach ist. Lasst euch die Ausdrucke aus dem Labor zeigen und sammelt selbst Informationen zu den Werten. (Tropeninstitut, der eigene Hausarzt oder Medizinstudenten sind Gold wert [Danke Julia!].)

Freunde: „Sucht selbst nach Infos? - sehr lustig! Ich liege mit Vierzig Fieber im Bett und soll meine Blutergebnisse mit Google auswerten?!“
Ihr braucht Freunde, die euch beistehen und die Dinge in die Hand nehmen und den behandelnden Arzt ausquetschen. Meine Erfahrung ist, dass wenn es ernst wird, Frauen systematischer, hartnäckiger und erfolgreicher ans Werk gehen, als Männer. Sie sollen zuerst einen Arzt finden der Englisch spricht, eine Analyse mit dem Arzt besprechen: Was könnte der Patient haben, dann abklären, was bereits gemacht wird und vor allem, was man machen könnte. Der letzte Punkt ist wichtig, denn ich glaube, die versuchen im Sinne des Patienten die Kosten geringer zu halten und deshalb nicht alles zu unternehmen. Dann schreibt alles mit (Symptome, verabreichte Medikamente, Namen und Nummer des Arztes).

Druck: „Maybe tomorrow!“, heißt soviel wie: niemals. Wenn euch das gesagt wird, müssen alle Alarmglocken angehen. Jetzt heißt es nachfragen und bohren bis ihr euer Ziel, z. B. eine Urinprobe, durchgesetzt habt. Hier sind auch wieder die Notizen wichtig, vor lauter organisieren vergisst man schnell etwas.

Freundlichkeit: Es hört sich ziemlich arrogant an, einem Arzt zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat, aber es ist hier notwendig. Dabei bitte immer höflich bleiben, lächeln und mit blumigen Worten beginnen, damit nimmt man die Spannungen aus der Situation. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben.
Die Javaner sind gegenüber höher gestellten Personen wie Ärzten sehr hörig, weshalb ihr auch nicht unbedingt mit einem eurer einheimischen Freunde diese ganze Aktion erledigen solltet aber beim Übersetzen hilft es natürlich. Der englischsprechende Arzt ist vorzuziehen - und es gibt ihn.

Krankenhaus: Es gibt gute, es gibt schlechte, eure einheimischen Freunde wissen sicher, welches zu meiden ist und wo ihr bedenkenvoll hingehen könnt. Je nachdem was ihr braucht, ist in einem Krankenhaus die Ausstattungen besser, im anderen die Ärzte. Auch die Beschriftung „International Hospital“ heißt nicht, dass es unserem gewohnten Standard entspricht und auch nicht, das es englischsprechende Ärzte gibt, geschweige denn Personal. Es sind alles nur Namen.

Geld: Ihr werdet vor die Wahl gestellt, euch eine von sechs Klassen auszusuchen. Es beginnt in der Dritten Klasse, dann Zweite und Erste, anschließend Utama, VIP und Superior VIP. Die Preise reichen von Rp 91000 (6 Euro) bis zu Rp 1.200.000 (80 Euro) pro Nacht. Die Erste Klasse oder Utama sind angemessen (Rp 450000; 30 Euro). Es heißt zwar, dass es bei den Klassen nur um die Zimmer geht, also ob Fernseher oder nicht, in Wahrheit gibt es in den oberen Klassen erfahreneres Personal, saubere Einzelzimmer (ab 1. Klasse), regelmäßige Untersuchungen und eine rund um bessere Versorgung. Die Behandlungskosten sind nicht enthalten und müssen extra gezahlt werden. In einer Woche ist man schnell auf 400 bis 600 Euro. Wenn ihr ins Krankenhaus geht, bringt die Kreditkarte mit oder Bares, es wird meist eine Anzahlung verlangt.

Desinfektionsmittel: Auch in den oberen Klassen gibt es keine Möglichkeit seine Hände zu desinfizieren. Im „Circle K“, einer 24-Stunden Supermarktkette, gibt es welches, in den Apoteken („Apotek“) und im Krankenhauskiosk. Fragt nach „Sanitizer“ und euch wird geholfen, auch alle Besucher sollten darauf achten, sich zu schützen. Bei Krankenhausbesuchen auf den Moskitoschutz achten, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit größer, von einer Mücke gestochen zu werden, die zuvor einen Dengue-Patienten ausgesaugt hat.

Ausfliegen: Im Fall der Fälle gibt es die Möglichkeit nach Singapur zu fliegen. Dort findet ihr eine einwandfreie Versorgung auf westlichem Standard. Auch reiche Indonesier nutzen Singapur, um z.B. Nachbehandlungen bei Herzinfarkten und bei Unfällen durchzuführen. Der Flug kostet etwa 130 Euro und ist es sicher Wert.

Aspirin: Einfach zuhause lassen. Hier soll man das Zeug nicht nehmen. Steigt auf Paracetamol um, knallt auch gut.

Versicherung: Bitte eure Scheine vor Abflug kopieren, an Mami und Papi, sowie eure Reisekollegen geben. Eine Ausführung zu euren wichtigen Unterlagen legen. Lest vor der Reise, was im Fall der Fälle zu tun ist. Versicherungstexte mögen ja sonst sehr unübersichtlich sein, aber bei diesen Sachen geben sie eine klare Auskunft. Meist muss man sich unverzüglich melden wenn man krank wird und Quittungen bringen.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Das Dritte Welt Krankenhaus

Ein Jucken, ein Schlag und schon war sie futsch. Und was als Versuch, mein Blut zu saugen begann, endete für Mr. Mücke tödlich. Als ich das zermatschte Insekt auf meinem Arm etwas genauer betrachtete, entdeckte ich doch tatsächlich weiße Streifen auf dem Biest und ihr wisst, was das bedeutet - eine Zebra-Mücke, Überträger des gefährlichen Denguefiebers.
Zurzeit sehen wir viele von ihnen und es ist leichter gesagt als getan, sich vor den Stichen zu schützen. Am Donnerstag wurde ein guter Freund von uns ins Krankenhaus eingeliefert, er fühle sich nicht wohl, hieß es. Als ich ihn besuchte, wurde mir anders zu Mute. Zum einen war sein Zustand wirklich erschreckend und zum Anderen, waren die Bedingungen in diesem Krankenhaus jenseits von allem, was ich bisher gesehen habe. Er lag mit vier Leuten in einem kleinen Zimmer, abgetrennt durch Laken, die Klingel um die Schwester zu rufen war schwarz vor Dreck, es gab kein Desinfektionsmittel, keinen Arzt und niemand machte Anstalten eine Diagnose zu stellen. Verdacht auf Dengue, das war alles.
Der Sauerstoff, den er brauchte war leer und wurde auch auf sein Bitten hin nicht erneuert, er hatte seit vier Tagen nichts bei sich behalten können und es schien niemanden zu interessieren, einzig eine Kochsalzlösung wurde ihm verabreicht. Als Medikament bekam er Paracetamol, die ihm nicht halfen, und sein Fieber stieg auf über vierzig Grad. Was mich beunruhigt, ist, dass dieses Krankenhaus das Beste in Yogya ist. Ich möchte nicht wissen, wie es in den anderen aussieht.
Weil es keine Versorgung gibt sind die Familienmitglieder rund um die Uhr bei ihren Angehörigen, und auch der Arzt schaut nur einmal am Tag vorbei. „Vorbei schauen“ ist übrigens der richtige Ausdruck, ich habe es gesehen, der klopft den Patienten auf die Schulter und macht ein paar Witze über den Reichtum des Landes an seinen Infektionskrankheiten und lässt die Gelegenheit nicht aus über HIV und Hepatitis zu scherzen.
Ich könnte die Liste mit den Versäumnissen unendlich fortsetzen, aber es würde nicht helfen und vielleicht sehen es Mediziner noch etwas differenzierter, mir jedenfalls wurden bei diesem Krankenhausbesuch die Knie schwach. So sieht es aus, wenn man in der dritten Klasse der Dritten Welt im Krankenhaus liegt, denn es gibt eine bessere Versorgung, aber eben nur für diejenigen, die es sich leisten können. Tipps für alle Indonesien Reisenden, wie man in so einem Krankenhaus überlebt, gibt es im nächsten Post.
Wie es unserem Freund geht? Nun, es ist nachweislich Dengue, das Fieber ist gesunken, seine Blutwerte bleiben weiter unter Beobachtung und wir hoffen auf eine schnelle Genesung. Drückt ihm die Daumen.

Donnerstag, 6. November 2008

Sensenmann - Ick hör‘ dir trapsen!

Mich hat's umgehauen! Nein, keine Überraschung oder Freude, kein Naturwunder und auch kein Geist. Es war eine anständige und gepflegte Erkältung. Erkältung ist freilich eine Untertreibung, denn während ich in meinem Fieberwahn lag, war mir klar, dass mich das Denguefieber dahinrafft oder noch besser Malaria. Dengue ist gefährlich, weil es hier in den Städten grassiert und im dümmsten Fall tödlich ausgeht. Es wird wie die große Schwester, Malaria, von Mücken übertragen. Die Mücken sollen aussehen wie Zebras, ich würde sie sofort erkennen, sagen mir Freunde. Bisher ist keine an mir vorbeigeritten. Sie legen ihre Eier in Pfützen ab, alte Autoreifen und Plastikbottiche sollen ihre bevorzugte Brutstätte sein. Das erklärt, warum wir nach Regenfällen vorsichtig sein sollen.
Besonders jetzt in der Regenzeit von Ende Oktober bis Februar schwirrt die Gefahr also die ganze Zeit um uns herum, und wir wären nicht die ersten die es in F4 (wie wir unser Haus liebevoll nennen) erwischt. Die Biester jagen tagsüber und das unterscheidet sie von den Malaria-Mücken. Nachts legt man sich in Gefahrengebieten ohnehin unter ein Moskitonetz oder zieht sich was Langes über, wenn man aus geht. Aber was machen, wenn es am Tag so warm und schwül ist, dass jeder Fetzen Stoff am Leib klebt und zum Auswringen nass ist. Tja, da freut sich die kleine Zebra-Mücke.

Von Dengue habe ich eigentlich erst hier was mitbekommen, zuhause erzählt dir jeder was von Malaria und Durchfall. Hier reden wir auch viel über Durchfall, gehört zum guten Ton: „Wie sieht’s aus bei dir?“ „Ja, läuft!“. Das ist ein Statement!
Mein Arzt zuhause wollte mir nicht einmal eine Impfung gegen Typhus geben. Typhus ist auch so etwas ganz mieses. Das sind Fäkalkeime und rate mal, wo die in dich rein kriechen - durch den Mund und zwar beim Essen! Wer aber schon einmal den typischen indonesischen Toilettengang beobachtet hat, der hat schnell bemerkt: Hände braucht man nicht waschen. Und wenn ich jetzt noch hinzufüge, dass es auf einer indonesischen Toilette nur eine Schöpfkelle und einen Wassertrog gibt, dann wird schnell klar, wo die bösen Fäkalpartikel lang wandern, um aus jemands Allerwertesten in unserem Nasi Goreng landen.
Fakt ist: hier kannste alles kriegen was auf der Liste der bedrohten Krankheiten steht. In der dritten Woche meinte ein indonesischer Kommilitone mit einem Lächeln im Gesicht: „Hey Al, pass auf, bei euch im Viertel kriegste Hepatitis A vom Essen. Musst du vorsichtig sein, ham wir auch alle schon! Ha Ha!“. Und ich wohne im verdammten Bonzenviertel von Yogya.
Oh mein Gott, nicht das mich wenn ich zurück komme keiner mehr sehen will, weil er denkt ich wäre völlig verseucht. Also, ich bin gut geimpft – hoffe ich. Für alle, die hier mal her möchten noch ein paar kleine Tipps. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.

Tipps:

  1. Lasst euch impfen gegen Typhus, Hepatitis A+B, Tetanus, Polio und Diphterie. Und nicht vom Arzt abwimmeln lassen. Das Hepatitis A Ding bei uns ist wie eine Epidemie und lokal begrenzt, dass sieht der im schlauen Tropenbuch nicht.
  2. Schön geschlossen anziehen und mit Autan einreiben, vor allem nachts und auf dem Land. Socken sind zu empfehlen, denn auch in die Stinkmauken beißen Zebramücke und Kollege CC gerne mal rein.
  3. Nehmt euch was gegen normale Erkältungen mit, gegen Dinge wie Husten und Halsschmerzen. Ich bin hier angekommen wie Mutter Teresa in Kalkutta, meine Packungen Immodium hätten `ne ganze Armee abdichten können, gegen `nen Schnupfen helfen die aber auch nicht. Was einen hier als normalen Westeuropäer umlegt ist das Klima und die Klimaanlagen, die sind auf –schockgefrieren- eingestellt, im Taxi, im Supermarkt und in der Uni.
  4. Dann braucht ihr was gegen Verstopfung. Warum? Einfach zu beantworten. Man nehme zwei Immodium, wo eine gereicht hätte und warte eine Weile. Auch nach fünf Tag wird man kein Bedürfnis haben, aufs Klo zu gehen. Zwei Möglichkeiten: Erstens du hast was Medikamentöses zum Abführen oder du säufst drei Liter Wasser aus dem Hahn. Beides hat dieselbe Wirkung, allerdings ist ersteres geschmacklich und gesundheitlich vorzuziehen.
  5. Falls alles nichts hilft. Schließt eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport im Krankheitsfall und Todesfall ab. Bei StaTravel in Karlsruhe gab`s die für 180 Euro. (Kriegt man auch wenn man den Flug nicht dort gebucht hat, was ich übrigens auch empfehle). Das war bisher der beste Preis und die sollen auch gut sein. Ach, wie sehr ich Werbung liebe.