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Sonntag, 24. April 2011

Leicht reisen

Anfang des Monats kam Anna-Lena von ihrer Indien und Südamerika-Reise zurück. Voll gepackt mit tollen Geschichten, haben wir uns lange über ihre Erlebnisse unterhalten. Neben all diesen Eindrücken und Bildern, die ihr in ihrem Blog findet, hat mich eine Sache besonders interessiert:

"Was hättest du lieber zuhause gelassen?
Was war gut im Rucksack zu haben?
Worauf kann man beim Reisen verzichten?"


Leicht reisen bedeutet Freiheit - klingt platt, aber es stimmt. Mit jedem Kilo weniger wird die Reise schöner. (Bildquelle: JD | Photography)

Ich habe schon so viel Schwachsinn mit mir herumgeschleppt und nach jeder Reise denke ich mir, wie viel weniger gereicht hätte. Nach Indonesien bin ich sogar mit einem riesen Koffer geflogen, weil ich keine Ahnung hatte, was es vor Ort geben würde und was nicht. Der Koffer steht mittlerweile im Keller und niemand weiß etwas damit anzufangen. Für meine Reise durch Malaysia und Thailand hatte ich dann noch einen kleinen 6 Kilogramm schweren Rucksack bei mir. Und selbst das war zu viel.

Unsere Gedanken zum "Leichten Reisen":


1. Medizin mitnehmen Ok, aber keinen Medizinschrank.
Es reicht sich mit den besten Mitteln gegen Durchfall, Übelkeit, Magenschmerzen und Kopfschmerzen auszustatten. Im Land selbst haben sie auch Apotheken und oft bessere Mittel gegen die typischen Krankheiten - um die wir West-Nasen ohnehin nicht rum kommen.

2. Mach dich mal hübsch - Ein Hemd oder Kleid schadet nicht.
Zwar sind wir auf Reisen sehr entspannt unterwegs, aber ab und zu mal etwas schickes zum Ausgehen ist sehr angenehm. Eine private Einladung oder etwas exklusivere Veranstaltung kann wahrnehmen ohne sich "underdressed" zu fühlen.

3. Vergiss die Trekking-Sandalen.
Diese Problem haben wohl vor allem Frauen. Balerinas, Turnschuhe, Wanderschuhe, Flip-Flops - was braucht man wirklich? Flip-Flops und Wanderschuhe (halbhoch) machen Sinn. Die Trekkingsandalen waren laut Anna-Lena völlig sinnlos. Überhaupt reichen die zwei genannten Paare.

4. Essbesteck ist unnötig.

Ich glaube ein klassisches Schweizer Taschenmesser ist eine feine Sache. Ich hatte noch nie eines dabei. An Taschenmesser sollte man sein Herz nicht hängen, denn schnell fliegen sie in den Müll, zum Beispiel weil man nur mit Handgepäck fliegt und bei den Sicherheitskontrollen erwischt wird. Mir passiert mit einem kleinen Messer in Bangkok. Auch an bestimmten Sehenswürdigkeiten wird einem ein Messer schnell abgenommen, das passierte einer Freundin bei den Kontrollen als wir in den Vatikan wollten.


5. Nimm kleine Schlösser mit.
Kleine zwei Schlösser sichern die Reisverschlüsse grob ab, auch für die Spinde in den Zimmern können die Schlösser gebraucht werden. Keine Netz-Sicherung für den Rucksack oder solchen Schnick-Schnack.

6. Kein Schlafsack mitnehmen.
In den Hostels ist was zum Zudecken und in warmen Ländern ist der Schlafsack einfach nur unnötig. Seideninlay ist leicht, klein und man kann es überall mitnehmen. Man braucht es nur falls ein Hostel mal nicht so sauber ist. In Tel Aviv haben mich mal die Flöhe gebissen, die Nacht war nicht so berauschend.

7. Taschenlampe ade - Beiß dir nicht die Zähne aus.
Es ist dunkel. Du kramst in deinem Rucksack nach dem letzten Bier und beißt derweilen auf der Mag-Lite rum. Kein schöner Anblick, außerdem extrem nervig. Mit einer Stirnlampe ergeht es dir besser. Sie sind auch praktisch für Nachtwanderungen.


8. Trekking-Hosen zum Zippen mitnehmen.
Drei Hosen sind genug: Zipper-Trekkinghose, eine Jeans zum Aussgehen und vielleicht noch eine kurze Hose (ich habe immer eine Badeshorts dabei).

9. Kleine Probe-Fläschchen besser als große Packung Duschgel.
Duschzeug gibt es meist in Hülle und Fülle. Gegen eine Zigarette oder ein Bier kann man sich Duschzeug von anderen Reisenden abfüllen. Rei-in-der-Tube um zwischendrin Waschen zu können, einfach unter der Dusche. In Zentralamerika kann man die Sachen abgeben zum Waschen (in Indonesien, Malaysia und Thailand auch).

10. Trag lieber das Risiko als eine Ersatzbrille.
Nur eine Brille mitnehmen auch wenn das ein bisschen Risiko behaftet ist. Unterwegs kann man zur Not zum Optiker gehen. Die Flüssigkeit für Kontaktlinsen ist schwer, deshalb lieber vor Ort besorgen, kein Problem in Südamerika.

11. Eine kleine Regenjacke reicht.
Eine kleine Regenjacken zum Zusammendrücken reicht, der Windbreaker mit Fließeinsatz bleibt besser zuhause. Wenn es in die Berge geht, dann lieber vor Ort die passende Klamotte kaufen. Alpaka-Jacke gab es auf einer von ihren Wanderung für 10 Euro. Gleiches gilt für Indonesien, als wir auf den Bromo gegangen sind, konnte man sich die Klamotten sogar leihen.

12. Funktionsklamotten sind super.
Es gibt mittlerweile diese schweineteuren T-Shirts, die alle möglichen Features haben, schnell trocknen und nicht stinken. Solche Teile kosten 30 Euro oder mehr, aber sie lohnen sich!

13. Stromteile sind klobig.
Bei vielen Ländern braucht man einen Reiseadapter, dieser darf ruhig mehr kosten, wenn er klein ist und nichts wiegt. Die Anschaffung von Sets mit unzähligen Teilen bringt nichts, weil der richtige Stecker trotz einer Million verschiedener Anschlüsse nicht da ist.


14. Nur ein Handtuch, die gibt's sonst im Hostel.
Nur ein Handtuch mitnehmen - TravelTowel reicht. Es gibt meist welche im Hostel, wenn du dir ein Einzelzimmer nimmst, dann hast du die ohnehin inklusive. (Ich persönlich habe neben dem Travel-Towel auch immer ein Strandhandtuch dabei - vielleicht nur Luxus)

15. Technisches Spielzeug weg lassen.
Was brauchst du wirklich für deinen Trip? Meiner Meinung nach braucht man nicht mal mehr eine Kamera, es wurde ja schließlich alles schon einmal geknipst. Für die Menschen, die ich treffe nehme ich ihn noch mit. Bei technischen Spielzeug bin ich eigen, zumindest wenn ich bloggen möchte. In Israel hatte ich kürzlich, ein Netbook, Digicam, Kodak HD-Cam und mein HTC (Handy) dabei. Inklusive Ladekabel summiert sich das Gewicht.

16. Für kleine Trips zwischendurch - der Zweitrucksack.
Ein kleiner Rucksack für Wanderungen, Tagesausflüge ist sinnvoll und verhindert, dass man immer wie der größte Touri-Depp rumläuft.

17. Speichermedien mitnehmen, wenn man nicht in der Cloud arbeitet.
Ein paar große USB-Sticks für die Bilder haben Anna-Lena geholfen. Ich Speicher die Bilder meist auf dem Rechner, den ich dabei habe oder lade sie bei Picasa hoch. Allerdings ist die Übertragungsgeschwindigkeit in den Hostels ziemlich lahm. Das macht dann keinen Spaß.

Leicht Reisen lohnt sich, denn das Gewicht entscheidet oft darüber, ob wir eine Situation als schön oder stressig empfinden. Als letzter Tipp zum leichten Reisen kann ich nur empfehlen eine Check-Liste vor dem Abflug zu machen und sich die einzelnen Objekte mehrfach anzuschauen. Leicht lassen sich so Dinge streichen oder in einer Beschaffenheit organisieren, wo sie möglichst Platz und Gewicht sparend sind. Ich verachte die Materialschlacht, die so manch einer veranstaltet, aber teilweise lohnt es sich die teure Ausrüstungsgegenstände zu kaufen.

Montag, 4. Oktober 2010

Die 5 beliebtesten Reiseberichte

Seit dieser Blog im Juni 2008 gestartet ist, wurden einige Artikel besonders oft gelesen. Die Liste der 5 beliebtesten Posts aus Asien findet ihr hier.

1. Freche Früchtchen und liebe Ossi-Kinder!
Von stinkenden Früchten und Kuriositäten aus Indonesien.

2. Welcome To My Paradise
Sarah berichtet über die Gili Islands.

3. Vom allein Reisen
Einsamkeit oder Alleinsein sind ein großer Unterschied. So gelingen Reisen auf eigenen Füßen.

4. Postkarte aus Bali
Ladyboys und klauende Affen piesackten mich auf dieser (Alb-)Trauminsel.

5. Python Goreng I
Andere Länder, andere Gerichte. Hier zeigen wir, wie man einen Python anständig zubereitet.

Samstag, 2. Oktober 2010

Reise nach Israel im Jahr 2004

Die letzte Reise nach Israel ist mittlerweile sechs lange Jahre her. Damals war ich gerade aus dem Militärdienst ausgeschieden und hatte den ganzen Sommer in Italien verbracht. Im Oktober/ November ging es dann nach Israel. Die Bilder zu dieser Reise habe ich hier zusammengestellt.

Dienstag, 3. August 2010

„Ich hatte panische Angst vorm Fliegen“ – Aus dem Leben einer Flugbegleiterin

Noch 12 Stunden bis ich mit dem Flieger Richtung Dresden abhebe. Das ganze Wochenende wird sich um Piloten, Flugzeuge und Action drehen. Um euch und mich seelisch und moralisch auf das Red Bull Air Race einzustimmen, wird es Zeit, sich in die Luft zu begeben und ein paar Fragen zu stellen. Und wer könnte mehr über das turbulente Leben am Himmel wissen als eine Flugbegleiterin ...

Shoppen in den Weltmetropolen, feiern mit Superstars und Fire Drills für den Notfall; das Leben am Himmel ist alles andere als langweilig, wie mir Flugbegleiterin Cat* berichtete. Cat verriet mir die Insider der Cabin Crew und jettet derzeit für die Fluggesellschaft des Emirats Abu Dhabi, Etihad, um die Welt; zuvor flog sie in den Maschinen von Air China.



"Ladies and gentlemen, the Captain
has turned on the fasten seat belt sign.
We are now crossing a zone of turbulence.
Please return your seats and keep your
seat belts fastened. Thank you."


*Der Name wurde geändert.

Bildquelle: williamcho


Das Interview

Albert: Du bist ständig unterwegs und dein Arbeitsplatz befindet sich in zehn Kilometern Höhe, wie sieht für dich „Alltag“ aus?


Cat: Ein ganz normaler Monat sieht für mich in etwa so aus: Am 25. jeden Monats bekomme ich meinen Flugplan für den Folgenden. Lass mich als Beispiel Juli nehmen...
Mein Monat hat mit drei Flügen innerhalb von 7 Tagen angefangen, Frankfurt, London und Brüssel.



„Also schläft man wann
und wo immer man kann,
zum Beispiel im Bus, Jumpseat
oder im Cockpit.“


Nach meinen ersten drei Flügen hatte ich Zwei Tage frei, und dann einen 15 Stunden Flug nach Melbourne mit einem 24 Stunden Layover! Klasse Sache, da wir abends dort ankommen und das Kasino direkt auf der anderen Straßenseite ist. Ein 15h Flug heißt zum Glück nicht 15 Stunden auf den Beinen, wir bekommen in zwei Schichten eine drei bis vier Stunden Pause, in der wir uns dann in den unteren Teil der Maschine zurückziehen können zum Schlafen...

Naja, wenn du schon mal versucht hast im Flugzeug zu schlafen, weißt du sicher selbst dass das nicht wirklich klappt. Also schläft man wann und wo immer man kann, zum Beispiel im Bus Jumpseat oder im Cockpit.

Nach Melbourne ging es nach zwei weiteren freien Tagen nach Jakarta. Ein klasse Layover wenn man die richtige Crew hat und eine super Gelegenheit um neue DVDs zu shoppen. Ok, nicht ganz legal, wenn der Film erst eine Woche vorher in den Kinos kam, aber hey... Auch wir brauchen Beschäftigung...



„…sechzig Prozent der Flugbegleiter
haben keine Ahnung,
wie man eine Flugzeug¬-
toiletten Tür aushängt...“


Noch in der Nacht nach meinem Jakarta Flug ging es dann auf einen so genannten Turnaround nach PAKISTAN! Islamabad stand auf dem Plan! Ich muss ja nicht erklären, warum Flüge nach Pakistan, Bangladesch, Indien und Nepal nicht wirklich beliebt sind. Falls doch hier einige Beispiele, wie man uns zum ausrasten bringen kann: sechzig Prozent der Flugbegleiter haben keine Ahnung, wie man eine Flugzeugtoiletten Tür aushängt. Auf einem Flug nach Bangladesch dauert es keine 10 Minuten, bevor der erste Passagier es geschafft hat, weil das Schild auf dem PUSH steht nicht groß genug ist und die Anweisung ja auch so undeutlich ist!

So nach Islamabad, war dann zum Glück wieder Frankfurt dran und nach zwei freien Tagen ging es dann wieder ab in die Academy für das alljährliche Recurrent Training, um unsere Lizenz zu behalten. Wir müssen in diesen drei Tagen unsere Prüfungen in First Aid, General Safety, Flugzeugtypen und Flugzeugsystemen in schriftlicher Form ablegen und dann natürlich noch einen praktischen Teil mit Evacuation, Fire Drill und Ditching ablegen...

Direkt nach meinem Training hatte ich gleich noch zwei Turnaround-Flüge nach Astana (Kasachstan[Anm d. Red.]) und Amman (Jordanien [Anm. d. Red])...

Im Grunde genommen Fliegen wir sieben Tage haben dazwischen immer etwa ein bis drei Tage frei und kaum Schlaf.

Albert: Gibt es noch andere Kuriositäten, die dir auf deinen Flügen begegnet sind?


Cat: Auf Flügen nach Katmandu –ich weiß nicht wie unsere Passagiere die Dinger finden– sieht man regelmäßig Passagiere, die Tampons in den Ohren stecken haben, weil sie denken, es seien Ohrstöpsel.




“Excuseee me sister,
my wive is a tsicken,
I‘m a Veg.”


Auf Flügen nach Indien könnte das Catering nur Whisky, Chicken und Mangosaft laden, weil sowieso jeder nur danach fragt.

London oder auch Bombay Heathrow genannt, Toronto, New York und Chicargo sind dann die Flüge, auf denen man -besonders von Indern und Pakistanis- gefragt wird: „Wherrr is de doilett for de brettisssh bassboard beoble?“
Die Antwort von mir ist dann regelmäßig: „Sir at the moment these lavatories have exclusively been assigned to our French passengers, but as soon as we race the British flag, you may go.”

Andere kommen mit: “Excuseee me sister, my wive is a tsicken, I‘m a Veg.” Meine Antwort: „Yes Sir, I know...“. Und alle wirklich Britischen Passagiere brachen in Gelächter aus...

Also du siehst, auch wir finden immer Wege noch etwas Spaß an Board zu haben! ;)

Albert: Auf welchen Flughäfen kommst du am liebsten an und warum?

Cat: Meine Lieblingsziele sind Dublin, ich liebe das Temple Bar Viertel und die Einkaufsmeile; Sydney, weil es im Januar oder Februar nichts Schöneres gibt, als den Tag am Bondi Beach zu verbringen und den ganzen gut aussehenden Surfern zu zusehen oder selbst surfen zu lernen und dann Abends schön zum Korean BBQ und feiern in einem der Clubs in Darling Harbour.
Wenn wir schon bei Australien sind bleiben wir auch dort. Brisbane und die Gold Coast, auch bekannt als Surfer's Paradise, muss man unbedingt gesehen haben!

Albert: Welche Metropolen haben dich noch in ihren Bann gezogen?

Cat: Beijing, weil ich die Stadt gut kenne und liebe. Das Essen dort ist klasse, das kulturelle Angebot riesig, die Leute freundlich und Einkaufen erst…



„…ich habe dort mit
einer Freundin zusammen
im VIP Bereich mit den
Black Eyed Peas gefeiert…“


Singapore ist eines meiner Lieblingsziele wegen Santosa Island, und der Stadt... Nicht zu vergessen, ich habe dort mit einer Freundin zusammen im VIP Bereich mit den Black Eyed Peas gefeiert, was natürlich für Neid unter den Kollegen gesorgt hat...
Kuala Lumpur, Jakarta, Brüssel, Mailand und Genf sind auch nicht zu verachten, aber nicht meine Lieblinge...



Albert: Stimmt es, das Piloten viel trinken und hinter jedem Rock her sind?

Cat: Du hast vermutlich wie viele andere auch die Vorstellung, dass Flightdeck Crew immer voll ist und alles poppt was auf dem Flug ist. Ehrlich, die gibt es, aber viele unserer Piloten sind einfach nur sehr nette Männer, die verheiratet sind und ihre Familien in Abu Dhabi haben und die auf einem Layover einfach nur abschalten wollen und fragen ob jemand mit kommt zum Abendessen, für Drinks und wenn man eine gute Crew hat, in einen Club oder eine Bar.

Klar, es gibt auch die Singels unter den Piloten, die es versuchen, aber meist nur aus dem Grund weil sich die Leute in Abu Dhabi notorisch alleine fühlen. Naja, man muss sie halt lassen...

Oft haben wir viel Spaß in einer kleinen Gruppe, es kam aber auch schon vor, dass ich alleine mit den Piloten essen war, weil alle andern zu müde waren oder Pläne hatten oder man ist auch mal alleine auf einem Layover. Das muss ich mit den Nationalitäten erklären die bei uns Arbeiten.

Etihad beschäftigt Cabin Crew aus 112 Nationalitäten. Darunter sind viele Asiaten, die ihre Familien unterstützen und das Geld lieber sparen und sich den layover über nur in ihren Zimmern aufhalten mit Cup Noodles oder Reis....

Und an dieser Stelle möchte ich dann auch noch mit einem Vorurteil aufräumen! 'Die dummen Flugbegleiter, die ja nichts anderes gelernt haben und können...'



"Wir sind die ersten,
die mit Situationen umgehen müssen
und die letzten, die nach Hause gehen!"




Dazu sage ich nur, dass wir alle mehrere Sprachen sprechen(ich beispielsweise fünf), wir haben Abitur oder ein abgeschlossenes Studium hinter uns und wir legen ein umfassendes und anstrengendes Training ab.

Bei dem Training lernen wir, Leben zu retten, nicht nur mit Erster Hilfe, sondern auch wenn mal was schief geht und du im schlimmsten Fall über 200 Menschen in der Maschine hast, die alle lebend raus sollen.

Klar, wir fragen mal freundlich, mal nicht so freundlich was der Gast essen oder trinken möchte, aber im Endeffekt sind wir Übersetzer, Psychologen, Kindergärtner, Schlichter und Krankenschwestern in einem, die immer eine perfekte Fassade aufrecht erhalten müssen, auch wenn gar nichts läuft...

Wir sind die ersten die mit Situationen umgehen müssen und die letzten, die nach Hause gehen! :-)


Albert: Wie ist es dann mit Beziehungen, bleibt dir dafür noch Zeit?

Cat: Da man als Flugbegleiter kaum Privatleben hat und mehr im Flugzeug ist als in seiner Wohnung, laufen auch die Beziehungen etwas anders. Wenn man Glück hat ist man mit seinem Partner auf einem Flug und kann einen schönen Layover verbringen, oder man trifft sich während einem Layover, so wie ich meinen Freund neulich in Brüssel. Die restliche Zeit mit dem Partner hängt dann davon ab, ob man die gleichen Off Days hat.

Albert: Ich habe bei deinen Posts auf Facebook schon öfter nicht verstanden, was du da schreibst – habt ihr Flugbegleiterinnen eine besondere Sprache?

Cat: Wissenswert über die Gattung der Flugbegleiter ist, wir unterhalten uns in Three Letter Codes wenn es um unsere Flugziele geht oder einfach alles was mit Fliegen zu tun hat und haben die Angewohnheit, das auch mit Leuten zu tun, die eigentlich gar nicht in der Fliegerei sind.

„I've been to CGK last week and I nearly lost it because my CM and CS kept annoying me with my OBA...“ Übersetzung: „Ich war letzte Woche in Jakarta und mein Cabin Manager und mein Cabin Senior haben mich mit meinem On Board Assessment wahnsinnig gemacht...“ :-p

Albert: Hattest du schon mal Flugangst?

Cat: Flugangst... Das ist für mich ein großes Thema! Ich hatte panische Angst vorm Fliegen, also habe ich beschlossen Cabin Crew zu werden. Ich wäre vor fünf Jahren fast nicht nach Peking zum Training für Air China geflogen, weil ich schon eine Angst Attacke hatte, wenn ich nur ein Flugzeug gesehen habe!

Aber gut ich hab die Zähne zusammen gebissen und bin unter riesen Angst hingeflogen, meine ersten fünf oder sechs Flüge waren der Horror, aber hey, ich bin seit fünf Jahren dabei und will noch lange nicht aufhören.

Fliegen macht süchtig und auch wenn ich oft über meinen Job fluche, einen Sonnenaufgang im Cockpit und es ist vergessen. Das Leben als Flugbegleiter ist einfach klasse und ich kann mir kaum vorstellen länger als eine Woche am Boden zu bleiben. Wenn es dich interessiert was mir schon alles im Einzelnen im Flugzeug passiert ist, lass es mich wissen und ich erzähle es dir gerne...

Albert: Vielen Dank für das spannende, witzige und lehrreiche Interview. Ich wünsche dir einen guten Flug!

Cat: Viel Spass and have a safe flight always,
Inflight slave,
Cat

Ende

In meinen Berichten, Bildern und Videos schaue ich hinter die Kulissen des Red Bull Air Races in Deutschland. Verfolgt die Ereignisse und Berichte vom Eurospeedway Lausitz auf StudiVZ, Facebook oder über die Red Bull Air Race Seite. Smoke On!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Dynamit und The Beach

Wenn du in Thailand ankommst, am Strand liegst und nichts Wichtigeres zu tun hast, als beide Körperhälften gleichmäßig zu bräunen, dann gibt es kaum ein besseres Buch als The Beach. Die Geschichte von Richard, der nach Thailand kommt, Freunde findet und ein Paradies - weit entfernt von der „Welt“. Das Buch wurde verfilmt, die Hauptrolle spielte Leonardo Dicaprio und die Macher drehten hauptsächlich in der Maya Bay auf Koh Phi Phi.
Nachdem ich das Buch also ausgelesen und meine Bräune optimiert hatte, buchte ich einen Schnorchel-Ausflug, der mich zum einstigen Drehort in der Maya Bay brachte. Die Zeiten sind leider vorbei in denen man Fischer bestechen musste, um an abgelegene Plätze gebracht zu werden. Heute ist alles wohl organisiert. Phi Phi ist mit dem Boot leicht zu erreichen, von Koh Lanta dauerte es nur eine Stunde. Und dort angekommen stieg ich von der Fähre auf eines der Longtail-Boote. Longtail, weil diese schmalen Holzboote ihre Schraube an einer verlängernden Achse, weit außerhalb des Bootes, haben. Der Bootsführer kann sie dadurch aus dem Wasser heben, drehen und auch in seichtem Wasser schippern, ohne Angst haben zu müssen die Schraube zu zerlegen. Ich würde gerne etwas seemännischer in diesem Teil des Textes werden, aber um ehrlich zu sein –trotz zweijähriger Seefahrt und vier Jahren Marine– weiß ich nicht viel mehr über Boote und Schiffe als jeder andere, es ist eine Schande. Nach einer schaukligen Fahrt mit drei kreischenden Kindern und kabbeliger See, erreichte ich The Beach.
Der Strand der Maja Bay ist schmal und direkt hinter dem gelben Streifen erhebt sich hügelig der Dschungel. An seinen zwei Enden steigen meterhohe Felsen auf und umschließen die Bucht. Nur an einer schmalen Stelle öffnen sich die Felsen dem Meer. Man könnte glauben tatsächlich im Paradies zu sein, wenn man sich die Touristen wegdenkt, denn seit dem Film ist die Maya Bay eine Pilgerstätte für Thailandreisende. Auch die Unterwasserwelt in der Maya Bay ist atemberaubend, zumindest für Menschen die Unterwasserwelten mögen. Ich schaue schon nicht gern in Aquarien und noch weniger mag ich es mit einer Taucherbrille und Schnorchel rum zu dümpeln. Doch Dori, Nemo und Co. scheinen viele Geschwister zu haben und erfreuen das Taucherherz mit ihren bunten Farben. Das erinnert mich an die Gilis, wo wir auch schnorcheln waren, da gab es diese riesen Wasserschildkröten, die ungefähr so spannend sind, wie weidende Kühe. Klasse auch wie sich dort manch einer über die Korallen freute, obwohl die alle tot waren. Was Dynamitfischen so alles anrichten kann, das verschweigt der Arzt. Ich glaube immer noch, die setzen die Schildkröten morgens aus und sammeln sie abends wieder ein. Hm, ich werde schon wieder zynisch. Wo war ich stehengeblieben…grübel, grübel. Also Tauchfreunde: schöne Unterwasserwelt in der Maya Bay - keine dynamitbelasteten Riffe. Und hier zwei Bilder, das Video findet ihr im Post darunter.

In der Maya Bay kann man mit Riffhaien schwimmen...

...man kann es aber auch lassen und am Strand chillen.

Die Überfahrt

Dass mein Musikgeschmack nicht der beste ist, davon könnt ihr euch hier überzeugen, allerdings gibt es wohl nichts geileres, als mit klassischer Musik mit dem Boot über die Wellen zu donnern.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Felsen, Steine und Muscheln


King Kong flimmert im Fernseher von Mom’s Kitchen, wo ich gerade sitze und auf mein Pad Thai warte. Es gibt hier gutes Essen bei ‚Mama‘, aber ich habe heute keinen großen Appetit. Ich nehme einen Schluck von meinem Eistee und denke an den Tag.
Als ich heute meinen Strandspaziergang machte, kam ich an eine Stelle, wo der Strand in Felsen überging. Ich stand knietief im Wasser und die Sonne war direkt über der Bucht, nur unter den Klippen, die die Bucht einschließen, zog sich ein schmaler Streifen Schatten. Die hervorstehenden schwarzen Felsen trennten mich vom nächsten Strand, also beschloss ich darüber zu klettern. Als ich gerade begann meinen Fuß auf einen der Brocken zu setzen, sah ich im Wasser etwas glänzen. Meine Füße hatten den Sand aufgewirbelt und so griff ich ins Trübe. Ich war neugierig und wollte wissen, was es war. Während ich im weichen Sand danach tastete, spürte ich etwas Festes an meinen Fingern, etwa handtellergroß und leicht. Ich griff danach und hob es aus dem Wasser – eine Muschel. Ich betrachtete meinen Fund und sah wie das Innere der Muschel in allen Farben leuchtet, und wo das Licht an den Rillen brach, funkelten kleine weiße Sterne. Vorsichtig wusch ich sie im Wasser, betrachtete sie abermals und weil sie mir so sehr gefiel, steckte ich sie behutsam in meine Hosentasche. Dann setzte ich meinen Weg fort.
Die Felsen waren rutschig und bei jedem Tritt musste ich aufpassen, nicht mit dem Bein in eines der Löcher zwischen den Steinen zu fallen. Es gelang mir gut und bei jedem Schritt vergewisserte ich mich, dass der Stein auf den ich als nächstes treten wollte, fest genug war. Als die Hälfte des Gerölls hinter mir lag, beschloss ich mich auszuruhen. Ich setzte mich auf einen Felsen und nahm einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Fast wäre mir der Deckel in die dunkle Spalte neben dem Stein gefallen, aber ich bekam ihn zu fassen.
Ich schaute mich um, sah den Strand hinter mir und das türkisfarbene Wasser auf der anderen Seite der Bucht. Unter mir hörte ich, wie die Wellen gegen die Felsen schlugen, und ich schmeckte das Salzwasser der Gischt auf meinen Lippen. Nachdem ich die Flasche wieder in der Tasche neben mir verstaut hatte, holte ich meine Muschel hervor und betrachtete sie genauer. Das Innere glänzte immer noch und das Perlmutt wechselte, je nachdem wie ich es hielt, die Farbe. Als ich sie umdrehte sah ich, dass die matte Seite graue und braune Flecken hatte, so dass sie den Steinen unter mir ähnelte. Doch die Innenseite war so bunt und glänzend wie die Bucht und alle Farben darin.
Ich hatte die Tasche mit dem Wasser an den Rand des Steins gelegt und plötzlich merkte ich, wie die Tasche vom Felsen zu rutschen drohte, ich griff mit der Linken danach, rutschte ab, bekam sie zu fassen, doch mein Fuß bekam keinen Halt mehr. Ich ließ die Muschel fallen, griff mit beiden Händen nach dem Felsen und sah wie die Muschel zwischen die Steine fiel. In Zeitlupe sah ich ihr letztes Schimmern unter der Wasseroberfläche während sie versank. Die nächste Welle brach herein und mit ihr verschwand das Schimmern und hüllte die Spalte unter mir in weiße Gischt. Ich wartete einen Moment bis sich das Wasser beruhigt hatte, rutschte vorsichtig auf den Stein vor mir und griff ins Wasser. Ich wusste, dass ich sie nicht wiederfinden würde. Die Spalte war nicht breit genug um darin zu stehen, also streckte ich meinen Arm ins Wasser. Ich kam nur bis zum Ellenbogen hinein, konnte aber keinen Boden spüren.
Ich war wütend darüber, sie fallen gelassen zu haben. Ich versuchte es weiter, versuchte den Grund zu erreichen, verrenkte meinen Arm so weit es ging – es gelang mir nicht. Ich blickte ins Wasser, sah wie eine Welle nach der anderen gegen die Steine schlug, die Spalte mit Wasser füllte, weiße Gischt. Einige Minuten saß ich da, sah hinunter, hoffte sie doch noch zu entdecken, aber es war zwecklos. Die Sonne brannte, ich blickte auf die Bucht, sah die großen Felsen vor mir und entschied mich zum Weitergehen. Ich dachte daran wie schön es gewesen wäre sie mitzubringen, daran, wie ich sie durch den Zoll geschmuggelt hätte und sicher hättet ihr euch an ihrem Funkeln ebenso erfreut, wie ich.
Die Bedienung tritt an meinen Tisch, stellt einen Teller mit Reis und einen mit dem Pad Thai vor mich. Ich stochere ein bisschen darin herum und beginne zu essen. Gerade läuft die Szene, wo King Kong Ann beim Tanzen zuguckt und sie sich auf den Boden fallen lässt, wieder aufspringt und wieder umfällt. Auf dem Boot der Abenteurer im Film steht Surabaya, ich erinnere mich gut. Ein Gedanke blitzt in mir auf, vielleicht finde ich morgen einen Ast der lang genug ist, gehe auf die Felsen und...

Montag, 19. Januar 2009

AO - was?

„We are going to Ao Ngh...!”
„Ao what?“
„To Ao Nang.“
“Well, why not!”
Da stand ich also wieder ohne Peilung, wo ich hin will, nahm ich mit zwei Australiern ein Taxi nach Ao Nang. Heute Morgen wurde ich um acht Uhr abgeholt, mit dem Minibus zur Fähre gebracht. Um eine Fährüberfahrt und um einen Einreisestempel reicher, bin ich nun in Thailand. Erste Amtshandlung – Friseur! Während ich in den Salon schlenderte, feixten die ersten Ladyboys als sie mich sahen – Frischfleisch! Und da ich hier in einer der verfluchten Pauschaltouristen-Hochburgen gelandet bin, werde ich mich morgen früh schnell und heimlich verziehen. Der Strand von Langkawi war herrlich und erst als ich meine Rechnung zahlte, wusste ich, dass ich fünf Nächte dort verbracht hatte. Viel gesehen habe ich von der Insel aber nicht, eigentlich nur den Strand, das Geckos und die Raggea-Bar. Reichte mir aber dicke.

Von rechts nach links: Jeremy, Marita, Becky, Daniel, Amanda, Kim und ich.

Samstag, 17. Januar 2009

Vom allein Reisen

Die Überfahrt mit der Fähre heute morgen, brachte mich auf eine hübsche, überschaubare Insel - Langkawi. Kaum angekommen im Gecko Gästehaus, saß ich auch schon am Pokertisch und zockte mit Grandpa und Boris um Kekse und Zigaretten. Grandpa müsste in seinen Siebzigern sein und seine Ohren spielten ihm einen Streich, als ich eincheckte verstand er, ich sei Däne. Nachdem ich den Fehler korrigiert und meinen Rucksack im Bungalow abgelegt hatte, begann die Partie.

Ich verlor eine Runde nach der anderen, aber jemand der ankommt und gleich gewinnt, ist ja auch nicht besonders sympathisch. Nach drei Mal Geben wollte ich dann doch sehen, wo ich hier überhaupt war und beschloss zum Strand zu gehen. Ich entschuldigte mich bei den beiden und lief los - natürlich in die falsche Richtung. Unter den Kokosnusspalmen lief eine Dame mit einem Mann und so fragte ich sie nach dem Weg. Sie zeigte in die umgekehrte Richtung und erst als ich mich zum Weitergehen umdrehte, sah ich, dass der Mann an ihrem Arm ihr Sohn sein musste, er war blind. Auf dem weiteren Weg schloss ich ab und an die Augen, um mir vorzustellen wie es sein musste - es gelang mir nicht.

Nun, drei Tage später sitze ich an einem kleinen Holztisch, immer noch im Geckos. Grandpa ist gerade spazieren gegangen und vermutlich trifft er ein paar Bekannte und wird das ein oder andere Bierchen zischen. Heute Mittag saß ich mit Grandpa auch hier und unterhielt mich mit ihm über die alten schwedischen Könige, die in Stralsund Handel trieben und im Osten gegen die Russen kämpften. Das heißt, er erzählte und ich hörte zu. Grandpa war ein Geschichtsprofessor in Schweden und auch einmal Schulleiter, jetzt reist er seit Jahren in Asien herum und genießt seine Rente.

Eben kamen Kim und Daniel zurück, die beiden waren heute mit einem geliehenen Auto auf der Insel unterwegs und ich konnte nicht dabei sein, weil mein Kater heute Morgen keine Autofahrt zuließ. Deshalb lag ich mit Jeremy, Becky und Amanda am Strand, die hatten heute auch ihren faulen Tag. Außerdem besuchte mich Christian, den ich auf Penang traf und der jetzt zwei Hütten weiter wohnt.

Und so kann ich wirklich nicht behaupten, an Vereinsamung zu sterben, ich reise allein und bin doch immer in Gesellschaft. Wenn ich einen Blick auf die letzten 24-Stunden werfe, gab es die unterschiedlichsten Leute, die ich traf. Menschen die sonst Unternehmen leiten, die in Indien Buddhismus studierten und auch beim Dalai Lama gelernten haben, welche die ihr altes Leben als Manager aufgegeben haben und jetzt Romane schreiben, einen Arzt, der London verlassen hat um sich ein Jahr zu erholen, indem er Tauchexpeditionen begleitet und eine Reiseleiterin, die sich von der letzten Überlandtour erholt. Sie begleitet Reisen von Großbritannien über Land nach Australien – eine Reise durch neunzig Länder. Jeden Namen konnte ich mir merken und jede Geschichte sauge ich auf wie ein Schwamm. Geschichten von wilden Tigern in Nepal und Elefanten Trekking, Kopfjägern in Borneo, von Einsiedelei, von Tauchunglücken mit Toten und von einsamen Inseln mit traumhaften Stränden.

Meine Reise ist ungeplant und ich lasse mich treiben. Ich wäre nicht auf Langkawi, wenn mir in Kuala Lumpur nicht das Fallschirmspringer-Pärchen Sandra und Peter begegnet wären, die mir von der Insel erzählten. Und ich hätte auch kein Visum für Thailand, wenn sie mich nicht gewarnt hätten, dass es nur 15-Tage-Visa auf dem Überlandweg geben würde. Dass ich sie traf und sie mir die Tipps gaben war glücklicher Zufall, ein Phänomen, dass immer dann am stärksten ist, je aussichtsloser eine Situation zu sein scheint. Die interessantesten Dinge geschahen immer dann, wenn ich am wenigsten damit rechnete. Ich glaube, dass es ein Segen ist, völlig frei von Erwartungen und planlos zu reisen. Dann ist die Chance am größten, dass gute Sachen passieren.

Zugegeben, es gab Tage auf anderen Reisen, an denen ich in dunklen Hotelzimmern saß und den Kakerlaken beim Futtern zuhörte. Bei prasselnden Regen lag ich einmal eine Woche in meinem Zelt, hungrig nach einem Gespräch, ohne einem Buch, das ich noch nicht gelesen hätte. Solche Tage gibt es, sie sind die Ausnahme und irgendwie mag ich sie auch. Ich kann einem Gedanken nachhängen, meine schwankende Stimmung beobachten oder überlegen, was ich als nächstes tue. Aber es stimmt schon, -Menschen- machen eine Reise interessanter, sie sind die "Würze in der Suppe" und ich möchte nicht darauf verzichten sie zu treffen.

Reisen mit Freunden haben auch ihren Reiz, aber man passt sich doch mehr an die Bedürfnisse des anderen an oder neigt dazu, sich zu streiten, wenn man sich zu lange auf der Pelle hockt. Jemand den du auf der Reise triffst, wirst du distanzierter behandeln und zudem hast du keine Verantwortung für das Glück seiner weiteren Reise. Das macht es leicht und unbeschwert. Manchmal ist man ein paar Tage am selben Ort, manchmal reist man zusammen an andere Plätze und manchmal trifft man sich Jahre später wieder. Es gibt nicht viele Menschen mit denen ich es mir vorstellen könnte gemeinsam zu reisen, mit manchen würde ich es mir wünschen.

Es soll auch Leute geben, die auf dem Selbstfindungstrip sind und ihre Reise als Art der Meditation auf sich nehmen, zu ihnen gehöre ich nicht. Die sind dann meist Jahre unterwegs und reisen von einem Kontinent zum Anderen. Es ist sicher schwierig aus solch einem Leben wieder raus zu kommen, denn sie haben viel erlebt und gesehen, dass soweit vom Alltag entfernt ist, wie die Sonne von der Erde. Die Schwierigkeit für sie besteht darin, auch das Alltägliche noch wichtig zu nehmen. Teilweise sind es auch wirklich Freaks, ich muss an den Energy-Shower-Man denken, den ich im Baskenland traf. Hängengeblieben auf seinem Esoteriktrip erzählte er nur von irgendwelchen Energien, die ihn leiten und als er uns bat die Musik auszumachen, weil die ein schlechtes Karma für sein Essen sei, war es bei mir vorbei. Die anderen dachten genauso und wir mieden den Kerl. Aber solche Klopper sind Gott-sei-Dank die Ausnahme.

Es ist nicht mein Ding über Jahre zu reisen, aber es ist ein respektabler Weg. Was ich interessant finde ist, dass es möglich ist, alles hinter sich zu lassen und einfach zu gehen. Hier gibt es ein Pärchen, das hat einige Monate zuhause in England gespart und reist nun für drei Jahre, sie arbeiten in Freiwilligen-Projekten in Borneo. So werden sie keine Millionäre, aber doch sicher reicher.

Möchte ich immer alleine Reisen? Nein, sicher nicht. Ich glaube nicht, dass es mir gefallen würde, wie Grandpa hier zu sitzen und nur die Jungspunde um mich rum zu haben. Irgendwann möchte ich mich in einem schönen Hotel für zwei Wochen ausruhen, ein paar Runden Golf spielen und abends mit Schatzi beim Dinner sitzen. Vielleicht kann ich dann auch nach Florenz fahren, die Gören durch die Uffizien schleppen und zu den Bildern noch eine Geschichte erzählen. Vielleicht kenne ich dann schönere Inseln, als die der Pauschalurlauber und kann meine Angebetete an einsame Strände entführen. Sicher macht mich das Reisen allein nicht dümmer und wenn ich ehrlich bin, hat es mich nie eine Überwindung gekostet. Es ist keine Entbehrung und, dass es nicht jedermanns Sache ist, mag sein. Wer aber die Möglichkeit hat, kann sie nutzen.

Die Reisen strengen mich jetzt nicht an, das heiße Klima ist angenehm, ich bin offen für andere Kulturen, meine Jugend erlaubt es mir schnell Anschluss zu Gleichaltrigen zu finden und mich anzupassen – im Alter wäre es sicher schwerer. Andere Sichtweisen und möglicherweise eine geringere Akzeptanz gegenüber diesem Weg, machen mir später vielleicht mehr Angst als heute. Mit dem Reisen ist es wie mit dem Leben, man muss hoffen, dass alles zu seiner Zeit erfolgt.

Montag, 12. Januar 2009

Zeitreise

Heute Morgen habe ich nach einer kurzen Nacht spontan entschlossen, mich doch in den Norden Malaysias abzusetzen und gesagt, getan! Ich sitze in George Town, was sich für mich nach Jamaika anhört, aber eher wie Bottrop ist. Ich bin in Malaysia, esse indisch, wohne im chinesischen Viertel und studiere in Indonesien. Ich habe einen kleinen Kulturschock und Kuala Lumpur war nur der Anfang, ganz Malaysia ist weitaus entwickelter als Indonesien, so dass ich mich fühle wie Indiana Jones in der Zukunft. Ihr werdet es kaum glauben, aber hier gibt es Autobahnen, Internetverbindungen in annähernd Lichtgeschwindigkeit und sogar Gehsteige mit Straßenbeleuchtung.
Die Gefriermaschinen in den Bussen funktionieren ähnlich gut wie die indonesischen, aber ich wurde vorgewarnt und habe mich während der vierstündigen Fahrt in meinem Sarung eingehüllt. Ein Sarung ist eine großartige Erfindung. Er ist mein Laken, mein Schal, Hut und Decke - alles in einem. Eigentlich ist es nur ein zusammengenähtes Stück Stoff von der Größe eines Handtuchs und eine traditionelle Bekleidung in Indonesien und Malaysia. Die Bilder zu meinem Sarung reiche ich nach. Wie auch immer, ich komme Thailand näher und Langkawi wird der letzte Stop in Malaysia, bevor ich mit der Fähre in Satun anstrande.

Die Landesflagge von Penang sagt doch alles. Nur die Schornsteine der Fabriken, der Industriehafen und die Hochhäuser werden verschwiegen. Doch das Paradies ist zum Greifen nahe - bald geht's nach Langkawi.


Mittwoch, 7. Januar 2009

Planlos in Kuala Lumpur

Angekommen in Kuala Lumpur bin ich in einem Künstlerhaus gelandet und teile mir ein Zimmer mit Maggie, die ich im Flugzeug kennengelernt habe, und die Yogya verlassen hat um ihr Visum zu verlängern - die übliche Prozedur: Flieg raus und flieg rein. Da ich völlig ohne Plan hier angekommen bin, war sie eine große Hilfe, um ein Zimmer zu finden und vom Flughafen hierher. Die Petronas Tower sind zum Anfassen nahe. Das Haus ist voller langhaariger, zottliger Traveller und mir zurzeit sehr sympatisch - wo bin ich überhaupt?
Den Flug habe ich durch zahlreiche Gespräche gut verdrängen können und bis auf die harte Landung, war es wunderbar. Wer schonmal das Vergnügen hatte mit mir zu fliegen, der weiß wie witzig das sein kann, zumindest für alle anderen. Bescheuerte Angst, aber ich war tapfer.
Yogya werde ich vermissen, es ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Montag, 15. Dezember 2008

Wie es weiter geht...

Hier herrscht ein bisschen Endzeitstimmung und es stimmt: Am Freitag und Samstag sind noch Klausuren, Weihnachten feiern wir weitestgehend auch noch zusammen, aber dann scheiden sich die Geister. Unsere Truppe der „German Community Yogyakarta“ verstreut sich in alle Richtungen. Sarah fliegt, wenn sie das mit den Flügen hinbekommt, auf die Philis mit Annika. Bleibt dort noch zwei Wochen und fliegt am 18. Januar nach Deutschland, wo sie sicher schon sehnsüchtig erwartet wird.
Der kleine Albert macht mal wieder was anderes. Ich werde mit den Klausuren etwas langsamer machen und vermutlich erst am 6. Januar meine letzte schreiben. Silvester bin ich also in Indonesien, aber am 7. Januar geht es mit kleinem Gepäck und Flip-Flops los. Dann fliege ich zuerst nach KL (Kuala Lumpur/ Malaysia), ziehe mir die Petronas-Tower rein und werde mich mit Bus, Bahn und wenn es sein muss mit dem Esel nach Thailand aufmachen.
Mein Ziel ist es Kambodscha und Laos auch noch mitzunehmen und wenn es mit den Einreisebedingungen klappt, weiter nach Saigon (Vietnam). Aber ich lass es auf mich zukommen und bleibe bis zum 22. Februar 2009 dort wo es mir gefällt. An meinem Geburtstag bin ich frisch zurück in Deutschland, eine Party gibt es auch – vormerken und freihalten! Meinem Vater habe ich neulich geschrieben, ich möchte gerne Kartoffeln, Rotkohl, deutsches Bier und eine warme Dusche, wenn ich zurück bin. Und wenn jemand auf die lustige Idee kommt, mich zum Asiaten einzuladen, reiß ich ihm den Kopf ab. Sieben Monate Reis und Hühnchen – da muss man verrückt werden.
Was macht ihr jetzt wenn wir weg sind? Lange habe ich darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, die Welt und vor allem ich brauchen diesen Blog. Ich nehme meinen Laptop mit und werde euch über Land und Leute auf dem Laufenden halten. Bis dahin gibt es natürlich weiter Bilder und Geschichten vom Auslandssemester in Indonesien.
Albert's vorläufige Route, aber nichts ist so beständig wie die Änderung.
Bewaffnet mit Kamera und Schreibgerät wird weiter fleißig gebloggt.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Die Besteigung des Feuerbergs – Merapi

Während wir in Yogya bei 35 Grad schwitzen, saßen wir in dieser Nacht auf 1500 Metern Höhe und froren. Nachts um 1 Uhr begann unser Aufstieg auf den Merapi, dem Hausberg Yogyas und einen der aktivsten Vulkane der Welt. Unser Ziel war der fast 3000 Meter hoch gelegene Kraterrand, von dem aus wir den Sonnenaufgang anschauen wollten.

Doch der Berg ist steil und nicht leicht zu begehen, so steil dass nach etwa zwei Stunden Wanderung nur noch eine kleine Gruppe von drei Leuten plus Führer übrig blieb. Während sich die restlichen Fünf in der Berghütte ausruhten, hieß es für Daniel, Marius und mich, uns Meter um Meter nach ob zu kämpfen und das Brennen in unseren Oberschenkeln mit dem Gedanken zu vertreiben, dass wir bald einen atemberaubenden Sonnenaufgang sehen würden. Und so war es. Zwar machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir konnten nicht ganz hinauf, da die obere Spitze des Vulkans von einer dicken Wolkendecke eingehüllt war und in der Ferne Blitze zuckten, aber das ist eben die Natur. Und so saßen wir um 5:30 Uhr auf der zweiten Ebene unter dem Gipfel und sahen, wie sich die Sonne über den Horizont schob. Der Wind pfiff und die Wolken verdunkelten beim Vorbeifliegen den Himmel und die umliegenden Täler, nur um Sekunden später wieder alles in der Glutröte der Morgensonne erstrahlen zu lassen.

Nach Stunden des Aufsteigens können wir die Aussicht genießen. Albert Pusch

Schnell ziehen die Wolken über den Berg und verschlucken uns im Nebel.

Marius hat sein Maggi-Kraut bis ganz nach oben geschleppt.

In diesem Klima wachsen auch dann noch Bäume und Sträucher, wenn es in unseren heimischen Bergen längst nichts mehr gibt außer Steine und Geröll.

Als Highlight gab es für Daniel und mich Landjäger als wir oben waren. (Danke an Frank!)

Ob ich lache oder mir der Mund einfach eingefroren ist, weiß ich nicht mehr. Albert Pusch

Unter der Wolkendecke verstecken sich die Städte Yogyakarta und Solo.

Das saftige Grün begegnete uns auch auf dem Merapi.

Die fruchtbare Erde machen den Merapi zu einem beliebten Anbaugebiet für Bauern - tausende von Menschen leben in der Todeszone.

Auf dem Weg nach unten waren es unsere Knie, die ab und an schmerzten.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Welcome to my Paradise – die Gili Islands

Nicht weit entfernt der nordwestlichen Küste Lomboks befindet sich der bildliche Inbegriff eines tropischen Paradieses. Ein Trio aus winzigen Korallen umsäumten Inseln, jede gesegnet mit weißen Sandstränden und türkis schimmerndem Wasser, in dem es vor bunt schillernden Rifffischen nur so wimmelt. So wurde uns die kleine Inselkette im Reiseführer angepriesen, weiterhin versprach dieser uns volle Entspannung, Spaß und ganz besondere Unter­wasserwunder. Wer kann da widerstehen! Nur kann so ein Büchlein ja viel versprechen, wie es wirklich war? Hm… eine Mischung aus einer Raffaelo-Werbung und kennt ihr den Film the Beach? Ja so etwa, nur schöner.

Das Motto der Insel, die wir uns ausgesucht haben, namens Gili Trawangan, heißt “No pollution – No police!“ Ursache des Ersteren: Es gibt nicht ein motorisiertes Vehikel auf der ganzen Insel, einzige erlaubte Fortbewegungsmittel sind von geschmückten Pferden gezogene Kutschen und Fahrräder. Folge des Letzteren: Magic Mushrooms und allerlei andere be­wusst­­­seins­erweiternde Snacks werden angeboten, ja sogar umworben „Buy your ticket to the moon“.

Die Menschen dort sind, wie man sich gut vorstellen kann, sehr entspannt, tragen bunte Bildchen auf ihrer Haut, lieben das musizieren und können ihren Atem unglaublich lange anhalten. Doch Vorsicht, die Insel ist ansteckend, die Symptome dieses Fleckchen Erdes sind: stundenlanges dahingrinsen, angenehme Schläfrigkeit und das ständige Bedürfnis „welcome to my paradise“ zu pfeifen.

Postkarte aus Bali

Lieber Dome,
Viele Grüße aus Bali! Mir geht’s gut, ich hoffe Dir auch! Zu deinem Geburtstag nachträglich alles Gute, die Telefone und das Internet sind hier etwas unbeständig (typisch Entwicklungsland eben und daher eine plausible Ausrede), Sorry! Lass mich Dir an dieser Stelle von meinem Tag berichten.

An diesem Morgen war ich im Affenwald von Ubud – eine im Landesinneren gelegene Stadt auf Bali. Ich lese gerade meine viel zu teuer erworbene Tageszeitung, als mir ein Affe, ein Makak, die letzte Packung Airwaves aus der Tasche klaut – meine Zeitung bekam er nicht. Makaken sind wohl eine besonders feindselige Affenart. Mein anfänglicher Ärger verflog schnell, ging ich doch davon aus, dass es dem diebischen Biest nicht besonders gemundet hat und die Kaugummis ihm vielleicht den Magen verklebten und er nun daran zugrunde gehen muss. Dieser Gedanke wiederum drückte auf meine Stimmung, wollte ich doch nie ein unschuldiges Wesen, das möglicherweise unter Artenschutz steht, durch meine Unachtsamkeit dem sicheren Tod ausliefern – Airwaves kauf ich keine mehr.

Unter Schock und Angst vor Greenpeace, bestieg ich mein Moped und verlies schnellstmöglich den Ort des Geschehens; nichtwissend, dass es nicht besser werden würde an diesem Tag. Richtung Süden fuhr ich der Sonne entgegen und fühlte mich wie der Easyrider auf der Route 66, eben nur ohne Route 66 und ohne Harley. Natürlich ist auch „Der Sonne entgegen“ nicht ganz richtig, denn ich fuhr ja in den Süden und bekanntlich steht die Sonne am Morgen im Osten und am Abend im Westen, nie jedoch im Süden, aber es hört sich doch nach Abenteuer an, wenn man so schreibt. Also, ganz korrekt würde es heißen: Ich tuckerte auf meinem geliehenen Yamaha Roller, mit konstanten 40 km/h in Richtung Süden.

Nach einer recht sinnfreien Fahrt kam ich wieder dort an, wo ich am Tag zuvor gestartet war, dem El Arenal der Tropen, Kuta Beach. Dickbäuchige Australier frönen hier ihrem Hedonismus und wackeln unter zu viel Alkoholeinfluss allabendlich zu einer Art Musik, die man unter dem Titel „Ballermann Hits – Titten und Saufen!“ ohne Hindernisse an deutsche Kegelvereine verkaufen könnte. Es war erst Mittag und zu dieser Zeit verkriechen sich die Aussis -Gott sei Dank- in ihren Hotelzimmern, besudeln ihre Toiletten und schreien nach „Uuulllfff!“ in Plastiktüten und Eimer. Sonne haben sie ja auch genug zuhause in Downunder und Strand ja auch, wenn es nun auch noch Alkohol in Australien gibt, dann frage ich mich, warum zum Teufel fliegen -die- nach Kuta Beach? Ich komme schnell auf eine Lösung - es ist die Musik!

Weiter. Mein Glück war, dass ich noch ein Zimmer in dem Hotel bekam, in dem ich vor 48 Stunden bereits genächtigt hatte und die nette Dame an der Rezeption nur etwas mehr Geld wollte, als die Nacht zuvor. Mein Pech war, dass Mr. Sextourist aus Deutschland, in Begleitung seines indonesischen Loverboys, eine mehrtägige Rundreise durch Bali machte und ich deshalb sein Zimmer bekam. Dies veranlasste mich, meine Isomatte und meinen Schlafsack auszupacken und über das Bett zu legen, bevor ich mich einem kleinen Mittagsnickerchen widmete.

Erwacht und voller Tatendrang rief ich Simon an, der in einem fünf Sterne Bunker gemeinsam mit seiner Frau, nur wenige Meter weiter wohnte und seine Flitterwochen genoss. Natürlich durfte ich dabei nicht fehlen, die Freunde möchte man doch an so etwas einmaligem wie den Flitterwochen teilhaben lassen. Ich lud mich also auf ein Bier bei den beiden ein, warf einen letzten Blick auf mein Sextouristen-Zimmer der untersten Preisklasse und ging zu meiner –Maschine-, noch so eine Übertreibung, die dem Easyrider gerecht wird! Zu meiner Überraschung rekelte sich darauf gerade ein bärtiger Ladyboy, schmiss lasziv seine Haare in den Nacken und fragte mich, ob ich Sex wolle! Ich dankte lächelnd und verneinte, überließ den Roller dem Ladyboy und beschloss die wenigen Meter zu den beiden zu laufen. Anders ausgedrückt: Ich verpisste mich schnellen Schrittes.

„SEXY-MASSAGE!“, krakeelt es von der Seite und eine zierliche, äußerst attraktive junge Dame schaut mich lüstern an. Ich hatte schon immer diese Wirkung auf Frauen! Da ich mir über mögliche finanzielle Interessen der Dame dann doch nicht ganz so sicher war (in Kontaktanzeigen steht ja immer KFI – da weiß man wenigsten woran man ist!), lehnte ich dankbar mit den Worten ab: „Terima kasih, Bu!“. Das heißt dann so viel wie „Vielen Dank, Mutter!“, ich bemerkte meinen Fehler, erntete einen skeptischen Blick und schlich mich davon. Diese zwanghafte Angewohnheit bekloppter Touristen, die Sprache der Einheimischen aufzuschnappen, stiftet doch nur mehr Verwirrung als Klarheit. In diesem Punkt beneide ich die Amerikaner und Australier gleichermaßen, die sind gegenüber anderen Sprachen und Kulturen ja bekanntlich äußerst resistent.

Angekommen im Padma Bali, schritt ich durch die imposante Parkanlage, die viele kleine indonesische Hände mit viel Liebe angelegt haben. Unglaublich aber wahr, dass sich dem weißen Europäer schon nach wenigen Sekunden in einer derartigen Umgebung, die kolonialistische Herrschaftsstimmung vergangener Jahrhunderte aufdrängt und er mit großem Gehabe, den devot grüßenden Angestellten gebieterisch zuwinkt wie einst Karl der Große. Schließlich wissen die fleißigen Arbeitsbienchen des Hotels ja nicht, dass ich in einer schäbigen Bleibe für zwei Euro die Nacht schlafe, wo sich sonst wilde Orgien zwischen hundertjährigen, sabbernden Weißen und blutjungen Indos abspielen. Ich erreiche Zimmer 110 und freue mich vertraute Gesichter zu sehen.

Einige Bier später verließ ich das Hotel bereichert um ein angenehmes Gespräch und einigen Moskitostichen. Das Ressort verlassend trabte ich alleine zurück zu meinem Hotel. Die beiden ließ ich in trauter Zweisamkeit in ihrem Luxuszimmer, mit der warmen Dusche, einer Klimaanlage, Minibar und Stühlen zurück. Dome, an dieser Stelle möchte ich doch bitte ein wenig Mitleid einheimsen. Doch ich wäre nicht Albert Weltenbummler, wenn ich mich von solch widrigen Umständen unterkriegen lassen würde! Also schwang ich mich erneut auf meinen mittlerweile Ladyboy-freien Roller und düste in Richtung Zentrum. Dorthin wo die Party abgeht, wo fette Körper sich in epileptischen Zuckungen aneinander reiben, ins Epizentrum sinnfreier Unterhaltung und Eimersaufen. Genau da wollte ich hin. Es blieb beim Wollen, denn nur wenige Meter von meinem Hotel entfernt, fand gerade eine Polizeikontrolle statt.

Ich stand gerade an der Ampel als ich den Bullen entdecke, er sieht mich und fängt an mich hektisch heran zu winken. Ich stehe an der Ampel, er auf der anderen Seite hampelt immer noch rum, ich überlege abzuhauen, entschließe mich aber dagegen, weil meine Fantasie schon die Schlagzeile in der Bild-Zeitung gedruckt hat: „Deutscher stirbt bei Verfolgungsjagd auf Bali!“. Den Tod vor Augen hadre ich mit dem Schicksal. Der Bulle winkt weiter und kriegt gleich einen Wutanfall, also schaue ich nach rechts, kommt nix, links, kommt auch nix und fahre zu ihm rüber.

Schließlich sitze ich vor einem ziemlich großen und breiten indonesischen Officer und der Scherzkeks meint doch tatsächlich zu mir: „Sie haben die rote Ampel überfahren!“. Ich lese schon die Schlagzeile der Bali Daily vor mir: „Deutscher tötet Polizisten bei Routinekontrolle!“. Zähneknirschend suche ich fiktiv nach meinem Führerschein, hatte ich nie, werde ich nie haben, aber man muss ja wenigstens so tun als ob. Meine Schmiergeldkasse sehe ich schon wieder schrumpfen, doch der hier ist von der hartnäckigen Sorte.

Er fragt mich woher ich komme. Ich sage Deutschland. Er freut sich und sagt stolz: „Ahh, Manchester United!“, ich sag: „Nein, AC Milan!“ und denke ‚Trottel‘. Wir einigen uns auf 150000 Rupiah, so ungefähr elf Euro, die ich ihm hinter seiner fetten Bullenkarre reiche. Keine Schlagzeile, kein Mord, nur ein bisschen Korruption. Ich fühle mich wie der Pate, setze mich auf meine Gangster Karre und verzieh mich. Die Lust auf besoffene Australierinnen ist mir vergangen und ich freue mich auf mein schmuddel Bett im Sextouristen-Hotel.

Du siehst, es ist nicht immer leicht hier drüben, aber ich schlag mich durch. Dann mach’s mal gut, grüß Caro von mir und erzähl ihr von meinen Leiden;)!

Liebe Grüße
Albert

P.S.: Ist es wirklich so kalt in Deutschland wie alle sagen, stell ich mir grausig vor;).






Hier habe ich mich nach dem ganzen Stress ausgeruht - Gili Trawangan!

Montag, 22. September 2008

Krakal Beach

Am Wochende fuhren wir zum nächstgelegenen Strand und durften das erste Mal in die Fluten des Indischen Ozeans springen. Schwimmen ist allerdings nicht zu empfehlen, denn die Strömungen sind tückisch und die Göttin des Meeres hat hier schon den einen oder anderen Ausflügler bei sich behalten. Also verbrachten wir das Wochenende mit tropischer Gelassenheit am Lagerfeuer. Viel drumherum schreiben bringt nichts und deshalb hier ein paar schöne Bilder:

Tipp des Tages: Wenn euch diese Bilder nicht genügen, dann schaut mal bei Suryo vorbei, der Gute hat schon fünf Jahre in Deutschland gelebt, schreibt seinen Blog in drei Sprachen und ist Fotograf und Journalist. Seine Bilder sind absolut sehenswert, klickt euch mal durch!


Sarah genieß den Blick auf den Ozean und hohen Wellen, die Hütte liegt direkt am Strand und kann von jedem Besucher benutzt werden.

Jan wird bald nach zurück nach Deutschland kehren, zu seinem Abschied kam auch eine Band, die hier im Hintergrund sitzt.

Knallbunte Muscheln und Korallenteilchen werden mit jeder Welle an den Strand gespühlt.

Unsere Fotofreaks (von links) Christa, Anne, Suryo und Jan.

Mittwoch, 17. September 2008

Staub und Eier

Die Landschaft um uns wird karg, wir nähern uns dem Vulkan. Vor unseren Augen erstreckt sich ein Meer aus heißem, schwerem Sand. Rechts und links säumen scharfkantige Felsbrocken, die aussehen wie schlafende Riesen, bereit uns zu verschlucken. Zweimal bleiben wir mit unserem Auto im staubigen Untergrund stecken. Einmal müssen wir aussteigen und schieben. Der Vulkanstaub spritzt ins Gesicht, bleibt zwischen den Zähnen hängen und knirscht behände beim Reden. Wenn ich jemanden umbringen würde, sagt eine Freundin, ich würde es hier tun. Keiner würde einen je wieder finden. Wir fühlen uns, wie nichtige Ameisen mitten im Nirgendwo. Das letzte Stück vor dem Aufstieg des Vulkanos muss man zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferd es zurücklegen. Das Angebot an Vierbeinern ist groß. Ich entschließe mich für meine eigenen Beine und verfluche mich bereits nach zwei Minuten selbst, denn die Füße sinken tief in den Sand und auch die Sonne schenkt kein Erbarmen. Der Aufstieg selbst besteht aus 250 Stufen, ich habe sie gezählt, um mich von meinem rasselnden Atem abzulenken. Doch was mich oben erwartet lohnt die Mühe Verschwitzt sitzen wir auf dem Krater und nehmen tiefe Züge, der nach verfaulten Eier riechenden Luft nehmen. Der Ausblick ist unglaublich. Endlose Weiten, das Dach der Welt?! Es bringt Glück etwas in Schlund des Kraters zu werfen. Wir werfen hübsche, bunte Sträuße . Die Menschen früher warfen Menschen.

Noch ein Bild von Jan Rottler!

In einem Land vor unserer Zeit - Mount Bromo

Es ist dunkel, meine Nase läuft und ich friere. Ich bin eben erst aufgewacht. Wir müssen uns beeilen, denn schon in einer Stunde geht die Sonne auf. Mein Atem verwandelt sich, sobald er meinen Mund verlässt, in kleine lustige Kristalle, die dann um meine Nase tanzen. Der Weg nach oben auf das Plateau erfordert Konzentration, ich kann, die in den Stein geschlagenen, Stufen nur erahnen.

Endlich oben - dort hat sich bereits eine kleine Menschentraube gebildet, die erwartungsvoll vor sich hin murmelt. Und als hätte Mutter Natur ihr Stichwort erkannt, beginnt die große, schwere Sonne sich über die Berge an den Horizont zu kämpfen. Das tiefe schwarz geht in sanftes orange über und auch rosa und blau mischen sich in das Farbenspiel ein. Solange bis jedes Dunkel zu Hell gewandelt und jeder Schatten in Licht getaucht. Atemberaubend. Ganz plötzlich entdecke ich den Krater des Vulkans, als wäre er eben erst jetzt neben mir in die Höhe geschossen. Es sind mehrere, drei. Ein jeder von dicken Nebelschwaden umrahmt. Genauso muss es ausgesehen haben, denke ich bei mir, als Little Food und seine Dinosaurier über die Welt stampften. Nur das Blitzlichtgewitter der Touristenkameras hindert mich daran die heutige Welt hinter mir zu lassen.

Dieses Bild wurde von unserem Superfotographen Jan Rottler geschossen.

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