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Montag, 19. Januar 2009

AO - was?

„We are going to Ao Ngh...!”
„Ao what?“
„To Ao Nang.“
“Well, why not!”
Da stand ich also wieder ohne Peilung, wo ich hin will, nahm ich mit zwei Australiern ein Taxi nach Ao Nang. Heute Morgen wurde ich um acht Uhr abgeholt, mit dem Minibus zur Fähre gebracht. Um eine Fährüberfahrt und um einen Einreisestempel reicher, bin ich nun in Thailand. Erste Amtshandlung – Friseur! Während ich in den Salon schlenderte, feixten die ersten Ladyboys als sie mich sahen – Frischfleisch! Und da ich hier in einer der verfluchten Pauschaltouristen-Hochburgen gelandet bin, werde ich mich morgen früh schnell und heimlich verziehen. Der Strand von Langkawi war herrlich und erst als ich meine Rechnung zahlte, wusste ich, dass ich fünf Nächte dort verbracht hatte. Viel gesehen habe ich von der Insel aber nicht, eigentlich nur den Strand, das Geckos und die Raggea-Bar. Reichte mir aber dicke.

Von rechts nach links: Jeremy, Marita, Becky, Daniel, Amanda, Kim und ich.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Planlos in Kuala Lumpur

Angekommen in Kuala Lumpur bin ich in einem Künstlerhaus gelandet und teile mir ein Zimmer mit Maggie, die ich im Flugzeug kennengelernt habe, und die Yogya verlassen hat um ihr Visum zu verlängern - die übliche Prozedur: Flieg raus und flieg rein. Da ich völlig ohne Plan hier angekommen bin, war sie eine große Hilfe, um ein Zimmer zu finden und vom Flughafen hierher. Die Petronas Tower sind zum Anfassen nahe. Das Haus ist voller langhaariger, zottliger Traveller und mir zurzeit sehr sympatisch - wo bin ich überhaupt?
Den Flug habe ich durch zahlreiche Gespräche gut verdrängen können und bis auf die harte Landung, war es wunderbar. Wer schonmal das Vergnügen hatte mit mir zu fliegen, der weiß wie witzig das sein kann, zumindest für alle anderen. Bescheuerte Angst, aber ich war tapfer.
Yogya werde ich vermissen, es ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Ein leeres Haus

Mitte August fuhr ich mit Annika in den Süden der Stadt, etwas wackelig und verängstigt vom Verkehr um uns herum, erreichten wir den Motorcycle-Guy. Damals holten wir ihren Roller ab, der sie für fast fünf Monate begleitete. Vorhin brachte ich ihren Roller dorthin zurück, denn seit heute Mittag sind Annika und Sarah auf dem Weg nach Manila auf den Philippinen. Und damit endet unsere gemeinsame Reise und ein neuer Abschnitt beginnt. Das Haus, das eben noch voller Menschen war, ist leer. Und so sind die meisten derjenigen, die wir kennengelernt haben mittlerweile weitergezogen oder bereits zurück in ihrer Heimat.
Wir konnten noch gemeinsam ein schönes, doch untypisches Weihnachtsfest feiern – dieses Jahr mit leichtem Sonnenbrand. Nun warten neue Abenteuer.
Da Sarah vermutlich erst von zuhause über ihre Erlebnisse schreiben kann, gibt es hier noch einmal alle ihre Posts für euch zum Nachlesen.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Da jibbid so 'ne Berg

Mei, bin ich gestern abgestürzt, und nach der Party habe ich den Morgen genutzt ein paar Fotos zu schießen. Der Schafhirte hat ganz schön dämlich geguckt als er den besoffenen Touri gesehen hat, der vor seinem Hammel steht und Bilder schießt.
Etwas beunruhigt hat mich die aufsteigende Rauchfahne aus dem Merapi, der so nur am Morgen zu sehen ist. Mit dem Roller dauert es eine dreiviertel Stunde bis zum Vulkan, den wir schon vor ein paar Wochen bestiegen haben.

Tja, auch du wirst am Montag geschlachtet.

Am 8.12. ist Schlachtfest und wir haben frei.

3000 Meter ragt der Berg von der Ebene in den Himmel.

Eigentlich ist es zu früh für den Baum, aber wir wollen Weihnachtsstimmung.

Sarah und Annika vermissen sogar die Kälte und den Schnee.

Auch ich habe schön dekoriert und dabei weder Kosten noch Mühe gescheut.


Mit den Diskutier-Ohren sitzt Anna-Sophie im Wohnzimmer.

Ardian ebenfalls beim Chillen.

Sonnenbrille, Hasenohren und eine Pfeife, da kann nix mehr schief gehen.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Pogung bei Nacht


Es ist eine ganz besondere Freiheit Yogya bei Nacht zu erleben. Ich düse auf meinem Roller und bin allein. Die Straßen sind leer, die Warung-Besitzer schließen ihre Stände und wo es sonst Reis und Nudeln gibt, wird das Gestänge der Überdachungen, die Planen und Sitzteppiche zusammen gelegt.

Vor Mirota Kampus, einem Kaufhaus, sitzt ein alter Mann im Licht einer Öllampe vor seinem Wägelchen und hofft auf Kunden, die vielleicht noch ein paar Nelkenzigaretten brauchen. Die rote Digitalanzeige am Kaufhaus hinter ihm, zeigt, dass es zwei Uhr ist und immer noch 27 Grad. Bei McDonalds bestelle ich Pommes und frittiertes Hühnchen, einige Nachtschwärmer schauen neugierig auf den „Bule“, den Weißen, der keinen Burger isst.

Danach zieht es mich ins Internet-Cafè. Der Junge hinter dem Holztresen kennt mich, er lächelt müde und reicht mir ein Passwort zum Anmelden. Ich tippe ein paar Zeilen für den Blog und binde meinen Schal fester um den Hals - die Klimaanlage bringt mich sonst um. Die Kakerlaken tippeln an mir vorbei und damit sie nicht an meinen Beinen hochkrabbeln, stopfe ich die Hose in die Socken. Nach einer Stunde fahre ich nach Hause.

Der Weg ist dunkel, meine Scheinwerfer scheuchen Ratten und Katzen auf, die schnell flüchten. Selbstmord-Frösche springen unter meinen Reifen. Ich höre in der Ferne schon die Rufe zum Gebet. Ein ganzer Chor stimmt mit ein - und für einen kurzen Moment erwacht die Stadt.

Dienstag, 25. November 2008

Elf Regeln für ein erfolgreiches Auslandssemester

So gelingt der Spagat zwischen Abenteuer und Campusleben.

Ein Auslandssemester in Indonesien bietet viele Möglichkeiten das Land und seine Kultur kennen zu lernen, aber auch viele Gelegenheiten um auf die Nase zu fallen. Hier ein paar wenige Regeln, die das Leben und Studieren einfacher machen:

  1. Weniger ist mehr. Wenn ihr euren Aufenthalt mit zahlreichen Ausflügen anreichern wollt, dann solltet ihr nicht, die von ihrer Gewichtung her größten Klausuren im Ausland schreiben. Auch die Anzahl der Fächer solltet ihr klein halten, um das Land voll zu genießen.
  2. Regelmäßiges Arbeiten hilft. Hausaufgaben und zahlreiche Präsentationen verlangen mehr Zeit als in Pforzheim. Das ganze System ist schulischer. Eine Note setzt sich bei mir beispielsweise aus vier Präsentationen, der Mitarbeit, der Anwesenheit (es herrscht grundsätzlich Anwesenheitspflicht), dem Midterm- und Final-Examen und einer Arbeit über 20 Seiten, zusammen.
  3. Zurückhaltung ist angesagt. Die asiatische Höflichkeit wirkt auf uns manchmal sehr devot. Das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten ist weitaus „ehrerbietiger“ und distanzierter als in Deutschland. Diskussionen werden nicht so hart ausgetragen wie in unserer westlichen Kultur und auch die eigene Meinung wird häufig nicht direkt ausgedrückt. Natürlich kann man seine Meinung in der Vorlesung los werden, dennoch sollte man mit Vorwürfen und Kritik vorsichtig sein. Es muss immer das Gesicht des Gegenübers gewahrt bleiben. Meist kann man auch durch eine naive Frage ein Thema zur Sprache bringen ohne jemanden anzugreifen.
  4. Zum Nase putzen lieber raus gehen. Wer hier von einer Erkältung geplagt wird, sollte sich angewöhnen hochzuziehen, das ist am Anfang zwar eklig, aber für die Indonesier ist es umgekehrt genauso eklig, wenn man in ein feines Papiertuch rotzt und dann in die Hosentasche steckt.
  5. Vorsicht Viren. Wer mit anderen Studenten Präsentationen austauschen will oder einfach nur etwas ausdrucken möchte, der kommt nicht umhin einen USB-Stick zu benutzen. Rechner sind hier aber meist von Viren verseucht und diese machen sich dann auch auf euren Geräten breit. Um große Schäden zu vermeiden, solltet ihr also Vorsorgen, z.B. mit Anti-Virus-Programmen, regelmäßige Updates und externer Festplatte (Software und Hardware gibt es hier günstig zu kaufen).
  6. Ansprüche runter schrauben. Zwar wird einem auch hier nichts geschenkt, aber die Präsentationen und Hausaufgaben werden nicht so detailverliebt erledigt wie zuhause. Bei Präsentationen wird viel abgelesen und es geht mehr darum es gemacht zu haben, als darum, tatsächlich den Inhalt zu verstehen und zu vermitteln. Perfektionisten kommen mit der Fülle an Stoff schnell an ihre Grenzen, also lieber mal etwas schnell machen als zu ausführlich.
  7. Unterschätzt die Indonesier nicht. Nur weil sie mit ihrer Meinung nicht hausieren gehen, heißt es nicht, dass sie keine haben. Indonesier sind im Studium meist noch jünger als wir, haben aber teilweise die besten Schulen des Landes besucht oder sind in Singapur, New York oder Tokyo ausgebildet worden.
  8. Bittet darum, Englisch zu sprechen. In Gruppenarbeiten wird häufig auf Indonesisch diskutiert und man fühlt sich schnell als Außenseiter. Bittet darum, Englisch zu sprechen oder noch besser: lernt Indonesisch!
  9. Hilfsbereitschaft wird groß geschrieben. Wer Fragen hat oder vielleicht einmal etwas nicht versteht, der sollte nicht zögern offen an seine indonesischen Kommilitonen heranzutreten – sie helfen gerne.
  10. Es gibt Tabus! Über Sex und irgendwelche Liebschaften wird nicht gesprochen. Außerdem solltet ihr euch angemessen kleiden, was nicht schwer ist. Für die Herren der Schöpfung heißt das, Hauptsache Kragen (ob Poloshirt oder Hemd ist egal), lange Hosen und feste Schuhe. (Wenn ihr an der MMUGM studiert, also im Masterprogramm seid, dann gilt Krawattenpflicht.). Für die Damen heißt es grundsätzlich geschlossene Kleidung, keine engen Oberteile, die tiefe Einblicke gewähren und auch den Minirock könnt ihr euch für Bali aufheben.
  11. Logik zählt nicht immer. Indonesier besitzen eine Copy-Paste-Mentalität, dass heißt sie kopieren gerne und übernehmen altbewehrtes. Das macht das Arbeiten manchmal beschwerlich, weil wir (meistens) versuchen würden etwas Praktikables und Innovatives zu machen und nicht nur etwas, das dem Dozenten vielleicht im letzten Semester gefallen hat. Man muss es erlebt haben um es zu verstehen.

Mittwoch, 19. November 2008

Heuschrecken für Europa - Projekt IndoJumper

Viele Dinge sind anders in Indonesien, manchmal auch die Hochschulprojekte. Liebe Werber, Verpackungsdesigner und sonstige Kreative, musstet ihr schon einmal ein Verpackungsdesign für die weltweite Einführung von frittierten Heuschrecken entwerfen? Nein, dann kommt nach Indonesien, hier gibt es sowas als Uni-Hausaufgabe. Nach einigen Überlegungen wie die Heuschrecken in Europa positioniert werden könnten und mit einigen opportunistischen Anpassungen entstand in zwei Nächten: IndoJumper. Das grafische Ergebnis seht ihr hier.

Diese Entwürfe habe ich für Daniel und Daniel meinen Pforzheimer Kommilitonen gebastelt.

IndoJumper Albert Pusch

Das IndoJumper Logo für eine junge Zielgruppe.

IndoJumper Albert Pusch

Für abenteuerlustige und unerschrockene, der etwas andere Snack.

IndoJumper Albert Pusch

Auch die Zutaten und der Strichcode dürfen bei der Verpackung nicht fehlen.


Sarah hatte die gleiche Hausaufgabe, nur diesmal sollte ich die Heuschrecken im oberen Preissegment positionieren. Nach einer Nacht mit viel Kaffee und Keksen war es geschafft.

Morgen treten die Gruppen gegeneinander an und stellen ihre Entwürfe vor. Ich bin gespannt wer gewinnt.
Und liebe Marktforscher, ich hätte gerne eine Umfrage zur Akzeptanz des Produkts in Deutschland – in diesem Sinne: Grüße nach Pforzheim!


Kenikmatan Albert Pusch

Nein, nicht das Kampfschwimmerabzeichen, sondern "Genuss" auf indonesisch - Kenikmatan.

Kenikmatan Albert Pusch

Die Goldornamente mit Weinblättern und Heuschrecken, aber manch einer findet auch Froschschenkel seien eine Delikatesse.

Kenikmatan Albert Pusch

Das schwarze Symbol zeigt an, dass dieses Produkt Halal ist, was mit dem Koscher-Zeichen zu vergleichen ist, eben nur für Muslime.


Kenikmatan Albert PuschMitha aus Sarahs Gruppe hält die frisch gedruckte Verpackung in den Händen. Aus der Keksdose wurde der Heuschrecken-Snack "Kenikmatan" - Guten Appetit!

Montag, 17. November 2008

Freitag, 14. November 2008

Studieren an der Universitas Gadjah Mada

6:30 Uhr: Eigentlich sollte ich jetzt aufstehen. Sarah klopft zum dritten Mal an meine Tür und ruft, dass ich meinen Allerwertesten bewegen soll. Ein bisschen erinnert sie mich an meine Mutter, die hat es auch immer gehasst mich aus dem Bett zu werfen. Letzte Nacht war ich bis zwei Uhr wach um die Hausaufgaben für eines der Fächer fertig zu machen und deshalb fällt mir auch das Aufstehen schwer. Hausaufgaben heißt Fragen aus einem Buch zu beantworten – kopieren und einfügen.


6:50 Uhr: Wir biegen von unserem Viertel auf die Jalan Kaliurang ein, letzte Woche wütete hier der Tornado, heute hat der Verkehr die Straße wieder fest im Griff und der besteht zu neunzig Prozent aus Rollern. Sarah ruft, ich soll einen Schulterblick beim Überholen machen und während ich noch überlege was das sein soll, drängelt sich vor mir eine vierköpfige Familie auf einer Vespa vorbei. Ich bremse und muss auf den Gehweg ausweichen – alles ganz normal. Auch der Linksverkehr ist reine Gewöhnungssache.

7:05 Uhr: Ein bisschen zu spät erreichen wir die UGM, aber immerhin sind wir angekommen, der Dozent noch nicht. Die Indonesier sitzen alle auf einer Seite des Raumes, das liegt am Kollektivismus – die Weißen haben sich nach Neigungsgruppen verteilt. In der Klasse wird laut gekichert und es steht tatsächlich einer Schmiere, um die anderen zu warnen, wenn der Dozent kommt.. Er erscheint und beginnt die Vorlesung mit den Worten: „Lasst uns beten!“. Das tut nicht jeder Professor, aber er eigentlich immer. Ich starre Löcher in die Wand und werde es für die nächsten zweieinhalb Stunden fortsetzen.

8:15 Uhr: Halbzeit von Runde eins. Die dritte Gruppe präsentiert ihre innovative Geschäftsidee, die darin besteht Batik-Kleidung im Internet zu verkaufen. Da fällt mir ein, Freitag ist Batik Tag, die Regierung legt also allen Indonesiern nahe, Batik zu tragen um damit die Kultur zu erhalten. Vielleicht sollten wir in Deutschland den Lederhosentag einführen. Ich schweife mit den Gedanken ab und nutze die Gelegenheit um mich ins Computerlabor zu verziehen - Hausaufgaben für die nächste Vorlesung ausdrucken. Die Labore sind modern und es funktioniert meist alles reibungslos, das einzige was gelegentlich nervt ist, dass der USB-Stick nach einmal einstöpseln in den Uni-Rechner mit unzähligen Viren, Trojanern und sonstigem Ungeziefer verseucht ist.

9:39 Uhr: Der Dozent hat mal wieder überzogen und ich muss mich beeilen in die nächste Vorlesung zu kommen. Einmal bin ich einfach aufgestanden und habe die Klasse mit all meinen Sachen verlassen - sollte man nicht tun. Die Indonesier haben geguckt wie Autos und der Dozent bat Sarah darum mir auszurichten, mich das nächste Mal abzumelden.
In der nächsten Vorlesung sitzen 18 Studenten an noblen Glastischen. Auch hier präsentieren die Studenten, erst das aktuelle Kapitel aus dem Buch und dann einen Artikel zum Thema. Der Dozent unterbricht regelmäßig die präsentierende Gruppe und ergänzt Formeln und Grafiken.

Albertpusch11:00 Uhr: Ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Mir reichen schon die neunzig Minuten in Pforzheim und hier nun zweieinhalb Stunden einen Vortrag nach dem anderen zu zuhören macht mich ungeduldig. Dafür habe ich in diesen fünf Stunden zwei Drittel meines gesamten Wochenpensums abgesessen und kann mich auf Freitag freuen, da habe ich nur eine Vorlesung, gleich nach dem Mittagsgebet.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Die Besteigung des Feuerbergs – Merapi

Während wir in Yogya bei 35 Grad schwitzen, saßen wir in dieser Nacht auf 1500 Metern Höhe und froren. Nachts um 1 Uhr begann unser Aufstieg auf den Merapi, dem Hausberg Yogyas und einen der aktivsten Vulkane der Welt. Unser Ziel war der fast 3000 Meter hoch gelegene Kraterrand, von dem aus wir den Sonnenaufgang anschauen wollten.

Doch der Berg ist steil und nicht leicht zu begehen, so steil dass nach etwa zwei Stunden Wanderung nur noch eine kleine Gruppe von drei Leuten plus Führer übrig blieb. Während sich die restlichen Fünf in der Berghütte ausruhten, hieß es für Daniel, Marius und mich, uns Meter um Meter nach ob zu kämpfen und das Brennen in unseren Oberschenkeln mit dem Gedanken zu vertreiben, dass wir bald einen atemberaubenden Sonnenaufgang sehen würden. Und so war es. Zwar machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir konnten nicht ganz hinauf, da die obere Spitze des Vulkans von einer dicken Wolkendecke eingehüllt war und in der Ferne Blitze zuckten, aber das ist eben die Natur. Und so saßen wir um 5:30 Uhr auf der zweiten Ebene unter dem Gipfel und sahen, wie sich die Sonne über den Horizont schob. Der Wind pfiff und die Wolken verdunkelten beim Vorbeifliegen den Himmel und die umliegenden Täler, nur um Sekunden später wieder alles in der Glutröte der Morgensonne erstrahlen zu lassen.

Nach Stunden des Aufsteigens können wir die Aussicht genießen. Albert Pusch

Schnell ziehen die Wolken über den Berg und verschlucken uns im Nebel.

Marius hat sein Maggi-Kraut bis ganz nach oben geschleppt.

In diesem Klima wachsen auch dann noch Bäume und Sträucher, wenn es in unseren heimischen Bergen längst nichts mehr gibt außer Steine und Geröll.

Als Highlight gab es für Daniel und mich Landjäger als wir oben waren. (Danke an Frank!)

Ob ich lache oder mir der Mund einfach eingefroren ist, weiß ich nicht mehr. Albert Pusch

Unter der Wolkendecke verstecken sich die Städte Yogyakarta und Solo.

Das saftige Grün begegnete uns auch auf dem Merapi.

Die fruchtbare Erde machen den Merapi zu einem beliebten Anbaugebiet für Bauern - tausende von Menschen leben in der Todeszone.

Auf dem Weg nach unten waren es unsere Knie, die ab und an schmerzten.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Python Goreng – Futtern in der Schlangengrube

How to cook a snake? – Unter diesem Motto könnte der letzte Samstag auch als exotischer Kochkurs durchgehen. Mit einem Tag Verspätung kommt hier das Video zu unserem etwas anderen Dinner. Leider gab es keine Kobra, die groß genug war um uns alle satt zu machen, also mussten wir eine kleine Python nehmen. Etwas durchgeknallt habe ich mich schon gefühlt, als ich mit der Kamera in die Schlangenkäfige gekrochen bin, um noch bessere Aufnahmen zu machen. Außerdem bin ich beim Filmen häufiger gegen andere Käfige gestoßen und habe mich beim Umdrehen dreimal zu Tode erschrocken. Hier werden Tiere gehandelt, die ich in meinem Leben noch nicht gesehen habe, den Eintrag gibt es in einigen Wochen. Als ich nach dem Marktbesuch mit dem Roller nach Hause gefahren bin, baumelte an einem Haken unter mir in einer Plastiktüte der Schlangenkopf. Es hat sich geloht, die Videos sind fertig und wie ich denke interessant geworden. Ich hoffe, dass sich nicht zu viele Tierfreunde beschweren und über dieses Video motzen. Die Tierhaltung und Schlachtung ist hier nicht gerade einwandfrei, aber dieses Land hat so viele offene Baustellen, dass Tierschutz nicht gerade an oberster Stelle steht.

Python Goreng I


Hier klicken "Python Goreng Teil II"!

Python Goreng II

Freitag, 10. Oktober 2008

Kobra Bakar – Das etwas andere BBQ

Heute fahre ich mit einigen Freunden auf den Vogelmarkt in Yogya. Dort gibt es nicht nur Vögel sondern so ziemlich alles, was man (als Asiate) so essen kann, einschließlich Skorpione und Kobras. T-Man, einer unserer Kollegen hier, wird die Kobra kaufen, abmurksen und in unserem Haus zu einer schmackhaften Mahlzeit verarbeiten. Ich möchte euch daran natürlich teilhaben lassen und werde deshalb alles ausführlich dokumentieren und kommentieren.
Dafür wird es auch wieder ein Video geben, das ihr dann auch auf YouTube finden könnt. Sarah brauchen wir das ganze ja nicht erzählen, ich glaub das fänd sie nicht so toll - die arme Schlage und so – ihr versteht.

Morgen Sonntag 11. Oktober 2008. Video: Kobra auf dem Grill!
Live auf www.dschungelfieber.blogspot .com!

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Welcome to my Paradise – die Gili Islands

Nicht weit entfernt der nordwestlichen Küste Lomboks befindet sich der bildliche Inbegriff eines tropischen Paradieses. Ein Trio aus winzigen Korallen umsäumten Inseln, jede gesegnet mit weißen Sandstränden und türkis schimmerndem Wasser, in dem es vor bunt schillernden Rifffischen nur so wimmelt. So wurde uns die kleine Inselkette im Reiseführer angepriesen, weiterhin versprach dieser uns volle Entspannung, Spaß und ganz besondere Unter­wasserwunder. Wer kann da widerstehen! Nur kann so ein Büchlein ja viel versprechen, wie es wirklich war? Hm… eine Mischung aus einer Raffaelo-Werbung und kennt ihr den Film the Beach? Ja so etwa, nur schöner.

Das Motto der Insel, die wir uns ausgesucht haben, namens Gili Trawangan, heißt “No pollution – No police!“ Ursache des Ersteren: Es gibt nicht ein motorisiertes Vehikel auf der ganzen Insel, einzige erlaubte Fortbewegungsmittel sind von geschmückten Pferden gezogene Kutschen und Fahrräder. Folge des Letzteren: Magic Mushrooms und allerlei andere be­wusst­­­seins­erweiternde Snacks werden angeboten, ja sogar umworben „Buy your ticket to the moon“.

Die Menschen dort sind, wie man sich gut vorstellen kann, sehr entspannt, tragen bunte Bildchen auf ihrer Haut, lieben das musizieren und können ihren Atem unglaublich lange anhalten. Doch Vorsicht, die Insel ist ansteckend, die Symptome dieses Fleckchen Erdes sind: stundenlanges dahingrinsen, angenehme Schläfrigkeit und das ständige Bedürfnis „welcome to my paradise“ zu pfeifen.

Postkarte aus Bali

Lieber Dome,
Viele Grüße aus Bali! Mir geht’s gut, ich hoffe Dir auch! Zu deinem Geburtstag nachträglich alles Gute, die Telefone und das Internet sind hier etwas unbeständig (typisch Entwicklungsland eben und daher eine plausible Ausrede), Sorry! Lass mich Dir an dieser Stelle von meinem Tag berichten.

An diesem Morgen war ich im Affenwald von Ubud – eine im Landesinneren gelegene Stadt auf Bali. Ich lese gerade meine viel zu teuer erworbene Tageszeitung, als mir ein Affe, ein Makak, die letzte Packung Airwaves aus der Tasche klaut – meine Zeitung bekam er nicht. Makaken sind wohl eine besonders feindselige Affenart. Mein anfänglicher Ärger verflog schnell, ging ich doch davon aus, dass es dem diebischen Biest nicht besonders gemundet hat und die Kaugummis ihm vielleicht den Magen verklebten und er nun daran zugrunde gehen muss. Dieser Gedanke wiederum drückte auf meine Stimmung, wollte ich doch nie ein unschuldiges Wesen, das möglicherweise unter Artenschutz steht, durch meine Unachtsamkeit dem sicheren Tod ausliefern – Airwaves kauf ich keine mehr.

Unter Schock und Angst vor Greenpeace, bestieg ich mein Moped und verlies schnellstmöglich den Ort des Geschehens; nichtwissend, dass es nicht besser werden würde an diesem Tag. Richtung Süden fuhr ich der Sonne entgegen und fühlte mich wie der Easyrider auf der Route 66, eben nur ohne Route 66 und ohne Harley. Natürlich ist auch „Der Sonne entgegen“ nicht ganz richtig, denn ich fuhr ja in den Süden und bekanntlich steht die Sonne am Morgen im Osten und am Abend im Westen, nie jedoch im Süden, aber es hört sich doch nach Abenteuer an, wenn man so schreibt. Also, ganz korrekt würde es heißen: Ich tuckerte auf meinem geliehenen Yamaha Roller, mit konstanten 40 km/h in Richtung Süden.

Nach einer recht sinnfreien Fahrt kam ich wieder dort an, wo ich am Tag zuvor gestartet war, dem El Arenal der Tropen, Kuta Beach. Dickbäuchige Australier frönen hier ihrem Hedonismus und wackeln unter zu viel Alkoholeinfluss allabendlich zu einer Art Musik, die man unter dem Titel „Ballermann Hits – Titten und Saufen!“ ohne Hindernisse an deutsche Kegelvereine verkaufen könnte. Es war erst Mittag und zu dieser Zeit verkriechen sich die Aussis -Gott sei Dank- in ihren Hotelzimmern, besudeln ihre Toiletten und schreien nach „Uuulllfff!“ in Plastiktüten und Eimer. Sonne haben sie ja auch genug zuhause in Downunder und Strand ja auch, wenn es nun auch noch Alkohol in Australien gibt, dann frage ich mich, warum zum Teufel fliegen -die- nach Kuta Beach? Ich komme schnell auf eine Lösung - es ist die Musik!

Weiter. Mein Glück war, dass ich noch ein Zimmer in dem Hotel bekam, in dem ich vor 48 Stunden bereits genächtigt hatte und die nette Dame an der Rezeption nur etwas mehr Geld wollte, als die Nacht zuvor. Mein Pech war, dass Mr. Sextourist aus Deutschland, in Begleitung seines indonesischen Loverboys, eine mehrtägige Rundreise durch Bali machte und ich deshalb sein Zimmer bekam. Dies veranlasste mich, meine Isomatte und meinen Schlafsack auszupacken und über das Bett zu legen, bevor ich mich einem kleinen Mittagsnickerchen widmete.

Erwacht und voller Tatendrang rief ich Simon an, der in einem fünf Sterne Bunker gemeinsam mit seiner Frau, nur wenige Meter weiter wohnte und seine Flitterwochen genoss. Natürlich durfte ich dabei nicht fehlen, die Freunde möchte man doch an so etwas einmaligem wie den Flitterwochen teilhaben lassen. Ich lud mich also auf ein Bier bei den beiden ein, warf einen letzten Blick auf mein Sextouristen-Zimmer der untersten Preisklasse und ging zu meiner –Maschine-, noch so eine Übertreibung, die dem Easyrider gerecht wird! Zu meiner Überraschung rekelte sich darauf gerade ein bärtiger Ladyboy, schmiss lasziv seine Haare in den Nacken und fragte mich, ob ich Sex wolle! Ich dankte lächelnd und verneinte, überließ den Roller dem Ladyboy und beschloss die wenigen Meter zu den beiden zu laufen. Anders ausgedrückt: Ich verpisste mich schnellen Schrittes.

„SEXY-MASSAGE!“, krakeelt es von der Seite und eine zierliche, äußerst attraktive junge Dame schaut mich lüstern an. Ich hatte schon immer diese Wirkung auf Frauen! Da ich mir über mögliche finanzielle Interessen der Dame dann doch nicht ganz so sicher war (in Kontaktanzeigen steht ja immer KFI – da weiß man wenigsten woran man ist!), lehnte ich dankbar mit den Worten ab: „Terima kasih, Bu!“. Das heißt dann so viel wie „Vielen Dank, Mutter!“, ich bemerkte meinen Fehler, erntete einen skeptischen Blick und schlich mich davon. Diese zwanghafte Angewohnheit bekloppter Touristen, die Sprache der Einheimischen aufzuschnappen, stiftet doch nur mehr Verwirrung als Klarheit. In diesem Punkt beneide ich die Amerikaner und Australier gleichermaßen, die sind gegenüber anderen Sprachen und Kulturen ja bekanntlich äußerst resistent.

Angekommen im Padma Bali, schritt ich durch die imposante Parkanlage, die viele kleine indonesische Hände mit viel Liebe angelegt haben. Unglaublich aber wahr, dass sich dem weißen Europäer schon nach wenigen Sekunden in einer derartigen Umgebung, die kolonialistische Herrschaftsstimmung vergangener Jahrhunderte aufdrängt und er mit großem Gehabe, den devot grüßenden Angestellten gebieterisch zuwinkt wie einst Karl der Große. Schließlich wissen die fleißigen Arbeitsbienchen des Hotels ja nicht, dass ich in einer schäbigen Bleibe für zwei Euro die Nacht schlafe, wo sich sonst wilde Orgien zwischen hundertjährigen, sabbernden Weißen und blutjungen Indos abspielen. Ich erreiche Zimmer 110 und freue mich vertraute Gesichter zu sehen.

Einige Bier später verließ ich das Hotel bereichert um ein angenehmes Gespräch und einigen Moskitostichen. Das Ressort verlassend trabte ich alleine zurück zu meinem Hotel. Die beiden ließ ich in trauter Zweisamkeit in ihrem Luxuszimmer, mit der warmen Dusche, einer Klimaanlage, Minibar und Stühlen zurück. Dome, an dieser Stelle möchte ich doch bitte ein wenig Mitleid einheimsen. Doch ich wäre nicht Albert Weltenbummler, wenn ich mich von solch widrigen Umständen unterkriegen lassen würde! Also schwang ich mich erneut auf meinen mittlerweile Ladyboy-freien Roller und düste in Richtung Zentrum. Dorthin wo die Party abgeht, wo fette Körper sich in epileptischen Zuckungen aneinander reiben, ins Epizentrum sinnfreier Unterhaltung und Eimersaufen. Genau da wollte ich hin. Es blieb beim Wollen, denn nur wenige Meter von meinem Hotel entfernt, fand gerade eine Polizeikontrolle statt.

Ich stand gerade an der Ampel als ich den Bullen entdecke, er sieht mich und fängt an mich hektisch heran zu winken. Ich stehe an der Ampel, er auf der anderen Seite hampelt immer noch rum, ich überlege abzuhauen, entschließe mich aber dagegen, weil meine Fantasie schon die Schlagzeile in der Bild-Zeitung gedruckt hat: „Deutscher stirbt bei Verfolgungsjagd auf Bali!“. Den Tod vor Augen hadre ich mit dem Schicksal. Der Bulle winkt weiter und kriegt gleich einen Wutanfall, also schaue ich nach rechts, kommt nix, links, kommt auch nix und fahre zu ihm rüber.

Schließlich sitze ich vor einem ziemlich großen und breiten indonesischen Officer und der Scherzkeks meint doch tatsächlich zu mir: „Sie haben die rote Ampel überfahren!“. Ich lese schon die Schlagzeile der Bali Daily vor mir: „Deutscher tötet Polizisten bei Routinekontrolle!“. Zähneknirschend suche ich fiktiv nach meinem Führerschein, hatte ich nie, werde ich nie haben, aber man muss ja wenigstens so tun als ob. Meine Schmiergeldkasse sehe ich schon wieder schrumpfen, doch der hier ist von der hartnäckigen Sorte.

Er fragt mich woher ich komme. Ich sage Deutschland. Er freut sich und sagt stolz: „Ahh, Manchester United!“, ich sag: „Nein, AC Milan!“ und denke ‚Trottel‘. Wir einigen uns auf 150000 Rupiah, so ungefähr elf Euro, die ich ihm hinter seiner fetten Bullenkarre reiche. Keine Schlagzeile, kein Mord, nur ein bisschen Korruption. Ich fühle mich wie der Pate, setze mich auf meine Gangster Karre und verzieh mich. Die Lust auf besoffene Australierinnen ist mir vergangen und ich freue mich auf mein schmuddel Bett im Sextouristen-Hotel.

Du siehst, es ist nicht immer leicht hier drüben, aber ich schlag mich durch. Dann mach’s mal gut, grüß Caro von mir und erzähl ihr von meinen Leiden;)!

Liebe Grüße
Albert

P.S.: Ist es wirklich so kalt in Deutschland wie alle sagen, stell ich mir grausig vor;).






Hier habe ich mich nach dem ganzen Stress ausgeruht - Gili Trawangan!

Montag, 22. September 2008

Krakal Beach

Am Wochende fuhren wir zum nächstgelegenen Strand und durften das erste Mal in die Fluten des Indischen Ozeans springen. Schwimmen ist allerdings nicht zu empfehlen, denn die Strömungen sind tückisch und die Göttin des Meeres hat hier schon den einen oder anderen Ausflügler bei sich behalten. Also verbrachten wir das Wochenende mit tropischer Gelassenheit am Lagerfeuer. Viel drumherum schreiben bringt nichts und deshalb hier ein paar schöne Bilder:

Tipp des Tages: Wenn euch diese Bilder nicht genügen, dann schaut mal bei Suryo vorbei, der Gute hat schon fünf Jahre in Deutschland gelebt, schreibt seinen Blog in drei Sprachen und ist Fotograf und Journalist. Seine Bilder sind absolut sehenswert, klickt euch mal durch!


Sarah genieß den Blick auf den Ozean und hohen Wellen, die Hütte liegt direkt am Strand und kann von jedem Besucher benutzt werden.

Jan wird bald nach zurück nach Deutschland kehren, zu seinem Abschied kam auch eine Band, die hier im Hintergrund sitzt.

Knallbunte Muscheln und Korallenteilchen werden mit jeder Welle an den Strand gespühlt.

Unsere Fotofreaks (von links) Christa, Anne, Suryo und Jan.

Montag, 8. September 2008

"Ach, studieren tuen sie auch?"

Ja, wir studieren! Zugegeben mein Stundenplan ist sehr günstig, ich muss nur zweimal pro Woche an die Uni, dafür gibt es allerdings Anwesenheitspflicht und, man beachte, Hausaufgaben! Das Tempo mit dem die Kapitel hier bearbeitet werden ist rasant und um den Anschluss zu halten, muss man viel lesen. Die Vorlesungen gehen zweieinhalb Stunden, dazwischen ist eine viertelstunde Pause, wer nun denkt, dass wir uns reinsetzen und berieseln lassen, der irrt. Die Vorlesungen sind von den Studenten dominiert, es wird diskutiert und der Professor moderiert mehr oder weniger nur. Abgelöst werden die Diskussionen von einzelnen Exkursen der Professoren, in dem sie dann die theoretischen Grundlagen erklären. Es ist ein aktiver Unterricht, auch wenn die Fragen der Studenten manchmal etwas dümmlich sind. Die Mitarbeit geht hier in die Note ein, allerdings wird nicht die Qualität der Frage oder Antwort bewertet, sondern nur ihre Häufigkeit. Und es gibt tatsächlich eine Strichliste, in die der Professor einträgt, wer wie viele Fragen gestellt hat. Verständlich, dass man dadurch haarsträubende Dinge hört.
Das System ist sehr verschult und weicht vom deutschen Hochschulleben weit ab. Die Textbooks sind aus den USA, diese Bücher sind auf der einen Seite sehr leicht geschrieben und vereinfachen komplexe Sachverhalte sehr stark, manchmal zu stark. Auf der anderen Seite sind sie aber schön zu lesen und im Gegensatz zur deutschen Literatur voller Fallstudien und Beispielen aus der Realität.
In den Vorlesungsräumen sitzen wir auf einfach Holzstühlen, die nach zwei Stunden wirklich unbequem werden, an den Seiten ist eine etwa 10x15 Zentimeter kleine Fläche zum Schreiben angebracht. Jeder Raum hat eine Klimaanlage und einen Computer mit Beameranschluss.
An der Uni gibt es Gebetsräume und auch der Unterrichtsplan ist so gelegt, dass beispielsweise das Freitagsgebet von den Studenten wahrgenommen werden kann. Viele Dinge sind hier anders und gelegentlich setzen wir uns in die Nesseln, zum Beispiel weil man erkältet ist und sich die Nase schnäuzt. Furzen und Rülpsen ist völlig in Ordnung, schmatzen beim Essen kein Problem, aber die Nase schnäuzent ist absolut verpönt.

Donnerstag, 21. August 2008

Die fantastischen Drei


Wir brauchten Passbilder für die Uni, ein, zwei hatte jeder dabei - wir brauchten mehr als Fünfzig. Das Ergebnis seht ihr hier, blässe ist ein Schönheitsideal, dementsprechend wird geblitz als gäbe es kein Morgen mehr. Lachen ist übrigens verboten. An den verschiedenen Stellen geben wir die Passbilder ab, wo sie teilweise in Pralinenschachteln verschwinden, wo schon hunderte andere Bilder verweilen. Die Inländer müssen einen weißen Hintergrund haben, die Ausländer bekommen einen roten.
Auf dem dritten Bild seht ihr Annika, wir wohnen zusammen in F 4 - ihren Blog findet ihr auf der Linkliste am rechten Bildrand. Kommentare zu den drei Fotos sind echt überflüssig ;), aber ich freu mich schon drauf. "Dracula" und "Totengräber" habe ich aber schon gehört und das ist nichts neues - be creative.


Und alle werden reich?

Wir leben nun in einer Welt voller Gegensätze, die von harter Arbeit zerfurchten Gesichter der Alten, zahnlos und dennoch mit wachem Blick. Augen mit strahlendem Leuchten schauen uns neugierig hinterher. Wenige Sekunden später betreten wir eine klimatisierte Einkaufspassage, um im Glanz der Schaufenster zwischen Armani und Polo zu wählen. Wir kommen heraus und sehen, wie Kinder zwischen den Autos um ein paar Geldstücke betteln, ein Rollerfahrer gibt einen Schein. Der Countdown an der Ampel steht bei 3, 2, die Motoren jaulen auf und das Rennen und Überholen geht weiter, die Kinder springen zum Straßenrand. Wir laufen weiter, das große böse M lacht uns entgegen. McDonalds ist hier ein Essen der oberen Mittelschicht und sie liefern auch nachhause, wir freuen uns schon drauf. Und meine Euphorie gegenüber der Globalisierung würgt mir das unverdaute Hühnchen heraus. Jeder profitiert vom Reichtum überzeuge ich mich, die Reichen werden reicher, geben mehr aus und zahlen damit das Brot der Armen – ich hoffe, dass ich recht behalte. Zweifel bleibt, ich schlucke ihn runter.

Die kleine Tagträumerin.